Freitag, 7. Oktober 2016

Santiago de Compostela - Fisterra/ Finisterre


Für diesen Tag hatte ich mich eigentlich mit einer Pilgerin aus Deutschland verabredet, um gemeinsam nach Finisterre zu fahren. Ich war auch pünktlich um 09:00 am Busbahnhof, wer allerdings nicht kam, war die Deutsche.
Davon ließ ich mich jedoch nicht beirren und fuhr trotzdem los. Der als Schulbus gekennzeichnete Bus der Firma Monbus ähnelte eher einem Pensionisten-Ausflugsbus, denn er war voll mit französischen Senioren, was ich ziemlich witzig fand.
Auf Umwegen ging es die Küste entlang in Serpentinen bergauf und bergab. Den meisten Passagieren wurde dabei schlecht, ich selbst war da keine Ausnahme.

Fisterra

Endlich nach zwei Stunden traf der Bus in Fisterra ein. Im Gegensatz zu Santiago war hier am Meer Herrliches Wetter, die Sonne schien und ich brach sofort zum Leuchtturm (Faro) auf.

Küstenweg zum Leuchtturm

Der etwa 3 km lange, leicht ansteigende Weg entlang der auf der linken Seite steil abfallenden Küste führte an einer Kirche und einem Friedhof vorbei durch einen wunderschönen Nadelwald mit Rastplätzen, Brunnen und - vor allem - einer phantastischen Aussicht auf die Costa do Muerte.


Unterwegs traf ich auf einige wenige Pilger, man konnte sie an den Fingern einer Hand abzählen.
Ein paar ältere Herren im PKW hielten an und luden mich ein mitzufahren, doch ich hielt das für keine gute Idee und außerdem, wie sollte ich mich nach fast 800 km zu Fuß auf dem Camino vor dieser kurzen Strecke scheuen... 


Oben beim Leuchtturm angekommen sah es schon anders aus: Hier ging es zu wie auf einem Rummelplatz! Reisebusse kamen und entluden ihre Passagiere fur wenige Minuten zum Besichtigen des Leuchtturms, zum Aufsuchen der Toiletten und Einkaufen einschlägiger Souvenirs, bevor sie die Leute wieder einluden und zum nächsten Tagespunkt weiterfuhren. So ging es die ganze Zeit.

Km 0,00

Menschenmassen mit Smartphones und Fotoapparaten drängten sich um den Kilometer Null, auf dem Platz vor dem Leuchtturm und an den besten Aussichtspunkten, denn natürlich wollte jeder schnell ein Foto - Gruppenfoto oder Selfie - von diesem denkwürdigen Ort aus nach Hause schicken.
 

Ich besuchte die kleine Ausstellung im Leuchtturm, holte mir den letzten Stempel für meinen Pilgerpass und setzte mich dann mit einer Empanada de Bacalao und einem Glas Bier auf die wunderschön angelegte Terrasse des Restaurants O Semaforo. 

Restaurant "O Semaforo"

Die Rückfahrt nach Santiago verlief weitaus angenehmer als die Hinfahrt und zwar mit einem Schnellbus ohne Umwege  direkt über die Schnellstraße. Ich schlief, müde von diesem Tag in der Sonne und am Meer, kurz nach der Abfahrt ein und als ich erwachte, waren wir schon fast wieder in Santiago.

Strand von Fisterra

Zum Abendessen ging ich wieder in das kleine Lokal, in dem ich an meinem ersten Tag in Santiago das Pilgermenü gegessen hatte und bestellte mir diesmal eine Gemüsesuppe (Sopa de verdura) und dazu ein Glas Rioja.

Es war ein wunderschöner Tag gewesen und ich kann es wirklich allen Pilgerinnen und Pilgern nur empfehlen, diesen Ausflug zu unternehmen. Bei wenig Zeit mit dem Bus, noch schöner ist es aber sicher, auch die letzten 100 km noch zu Fuß dranzuhängen. Pilgerherbergen habe ich in Fisterra ebenfalls viele gesehen.


P.S.: Leider hatte dieser schöne Tag noch ein unangenehmes Nachspiel: Als ich nach dem Abendessen in die Herberge zurück kam, wartete dort bereits ein Pilger, mit dem ich mich am Vortag kurz unterhalten hatte, mit einer Flasche Rioja auf mich. Um nicht unhöflich zu erscheinen, willigte ich ein, ein Glas mit ihm zu trinken. Auch französischer Brie, denn eine Pilgerin aus Kapstadt bei ihrer Abreise am Morgen zur allgemeinen Verwendung hier gelassen hatte war noch da, passte ideal dazu und die Hospitalera steuerte ihrerseits gutes frisches Weißbrot zu. 

Die schöne Küche der Albergue Linares

Was ein netter Abschlussabend hätte werden können, endete allerdings leider im Fiasko: Der Pilger wurde zudringlich und forderte mich auf, ihm den Rücken zu waschen, was ich natürlich ablehnte. So verbrachte ich die ganze folgende Nacht (wir beide waren die Einzigen im Achtbettzimner und auch in der gesamten Herberge) in Alarmstellung, die Nagelschere griffbereit unter dem Kopfkissen ...

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