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Sonntag, 8. Mai 2016

Albergue de Peregrinos San Francisco de Asís, Tosantos - Erfahrungsbericht

 
 

Eine der Herbergen, in denen es sich meiner Meinung nach wirklich lohnt, eine Nächtigung einzuplanen, wenn man auf dem Camino Francés unterwegs ist, ist die Albergue de Peregrinos "San Francisco de Asís" in Tosantos, einem kleinen Dorf zwischen Belorado und San Juan de Ortega, denn kaum anderswo wird der traditionelle Geist des Pilgerns noch so gelebt wie hier.

Als ich hier ankam, taten hier 2 Hospitaleros Dienst, der eine Italiener, der andere Portugiese, und ich wurde zu allererst auf Englisch über den Hausgebrauch informiert, bzw. darüber, was von Pilgerinnen und Pilgern, die in diesem schönen alten Gebäude gegen eine freie Spende Einlass bekamen, erwartet wurde: Mithilfe beim Zubereiten des Abendmahls, anschließende Teilnahme an einer gemeinsamen Meditation, um 22:00 Uhr Nachtruhe und tatsächliche Ruhe bis 07:00 Früh.

Schlafsäle in der Pilgerherberge von Tosantos

Ich hatte bereits von derartigen Herbergen gehört und war daher erfreut, endlich in einer solchen gelandet zu sein und auch diese Erfahrung machen zu dürfen. Mein Schlafplatz war eine einfache Matratze auf dem Boden, wo ich allerdings weder besser noch schlechter geschlafen habe, als in anderen Herbergen.
 
Gemeinsame Zubereitung des Abendessens

Mein Job: Tomaten und Zwiebeln schneiden

Schon bei meiner Ankunft hatte ich gesehen, dass einer der Herbergsväter gerade mit viel Gemüse, Brot und anderen Lebensmitteln vom Einkaufen zurückkam, und diese Köstlichkeiten wurden abends gemeinsam zu einem einfachen und guten Abendmahl verarbeitet: Grüner Salat mit Tomaten, Zwiebeln und Nüssen als Vorspeise, Eintopf aus Gemüse, Bohnen und Chorizo, dazu Weißbrot, als Hauptgericht und ein Apfel als Nachspeise. Zu trinken gab es Wasser.

Einfach und gut: Gemüseeintopf mit Kichererbsen und Chorizo

Nach dem gemeinsamen Essen an einem großen Tisch im Erdgeschoss wurden wir in einen kleinen Raum direkt unter dem Dach gebeten, in dem - auf freiwilliger Basis - bei Kerzenlicht eine etwa halbstündige Feier stattfand, in welcher in mehreren Sprachen Pilgerlieder gesungen und im Rahmen einer Meditation der vergangenen, derzeitigen und künftigen Pilgerinnen und Pilger gedacht wurde.


Wie in den meisten Herbergen wurde um 22:00 das Licht abgedreht und vor dem Aufbruch um 07:00 Morgens bekamen wir noch ein Pilgerfrühstück, bestehend aus Weißbrot, Margarine, Marmelade, Keksen, Kaffee oder Tee.


Der Aufenthalt in Tosantos war für mich wirklich ein beeindruckendes Erlebnis und ich würde mir mehr Herbergen dieser Art wünschen.

Übrigens, so ganz mittelalterlich, wie es nun den Eindruck haben mag, ist diese Herberge natürlich nicht: Duschen, WC, Gelegenheit zum (händischen) Wäschewaschen, Wäscheständer, Steckdosen, das alles ist vorhanden und außerdem wird das Haus auch beheizt, eine Annehmlichkeit, auf die ich in den beiden Nächten zuvor hatte verzichten müssen.

Das Einzige, was man hier im Unterschied zu anderen Herbergen möglicherweise vermissen könnte, ist das Internet, aber auch dagegen gibt es Abhilfe :-)
Ein paar Meter weiter, gleich neben der Kirche, befindet sich die private Pilgerherberge Los Arancones mit Bar, Restaurant und einem starken WLAN-Sender...


Sonntag, 17. April 2016

Tosantos - Villafranca - Burgos

Die Nacht in der Pilger Herberge von Tosantos verlief wider Erwarten gut und ich erwachte gut ausgeschlafen gegen 06:00 Uhr. Nun hieß es noch bis 07:00 warten, denn die Hospitaleros hatten ausdrücklich darauf hingewiesen, dass alle bis 7 Uhr brav liegen bleiben sollten.

Zum Frühstück gab es das Übliche: Kaffee, Zwieback und Weißbrot mit Margarine und Marmelade. ich steckte einen Zehner in die Spendenbox (Donativo) und machte mich auf den Weg, die noch nasse Wäsche mit Sicherheitsnadeln an meinem Rucksack befestigt, und - da es nicht regnete - guter Dinge ...

Espinosa del Camino

So wanderte ich bei relativ gutem Wetter - zwischendurch zeigten sich sogar ein paar wenige Sonnenstrahlen - nach Villambistia und von dort weiter über Espinosa bis Villafranca. 
 


Der Weg verlief - wie auch bereits an den letzten Tagen über einen Bergkamm, teils bergauf, teils bergab. Der Boden war nass von den starken Regenfällen der letzten Tage und von den schneebedeckten Bergen in der Ferne kam starker, eiskalter Wind.

Villafranca

Das Wetter wurde immer schlechter und ich erreichte klamm gefroren das Ortszentrum. Zum Glück hatte die Bar Jomer bereits geöffnet und ich stärkte mich mit einer guten heißen Tasse Kaffee.

Mittagessen in der Bar Jómer in Villafranca: Preisgünstig und seeeehr lecker!


An den Anstieg auf den fast 1200 m Hohen Alto de Valbuena war wegen der schlechten Wetterverhältnisse nicht zu denken, insbesondere, da der Weg nach San Juan de Ortega abseits der Straße durch eine einsame Gegend führte und es keine Möglichkeit geben würde, bei Bedarf irgendwo einzukehren oder den Bus zu nehmen, falls es unterwegs zu schneien beginnen sollte.

So beschloss ich schweren Herzens, es den anderen Pilgern gleich zu tun, die schon gestern über das Internet Hotelzimmer in Burgos gebucht hatten, und von hier aus mit dem Bus weiterzufahren.


Viloria - Tosantos


Im Speisesaal der Albergue Parada de Viloria

Auch die gestrige Nacht war sehr sehr kalt! Ich war so erschöpft, dass ich zum Abendessen gar nicht mehr in den Speisesaal hinunter ging. 

Was Vorjus, den Pilger aus dem Baltikum, betrifft, so wurde ihm von einer norwegischen Krankenschwester, die am frühen Nachmittag ebenfalls in der Albergue eintraf, eine starke Überbeanspruchung der Sehnen mit dem Risiko, eine Entzündung dazu zu bekommen, diagnostiziert und sie empfahl ihm, einen ruhigeren Tag - ohne Gepäck - einzuschieben, was er letztendlich auch tat.
Um 5 € ist es nämlich möglich, das Gepäck in eine Herberge voraus zu schicken, das lohnt sich bestimmt in Fällen wie diesem ...

Jedenfalls traf ich die beiden heute Vormittag nochmals auf dem Weg zwischen Belorado und Tosantos und er machte einen recht fröhlichen Eindruck.
Ein Tagespensum von durchschnittlich 28 km mit Spitzenwerten bis zu 45 km (wie er sagte) scheint offensichtlich zu viel zu sein und er war nicht der erste, dem sein Körper einen Strich durch die Rechnung machte ...

Es regnete leicht, als ich gegen halb 8 von Viloria aus aufbrach. Ich hatte gehofft, in der nächsten Ortschaft, Villamayor, ordentlich frühstücken zu können, denn das Frühstück in der Herberge (Zwieback mit Marmelade und Nutella und Pulverkaffee) war nicht berauschend gewesen, doch auch hier war um 9 noch alles geschlossen und so hieß es noch 5 km weiter marschieren bis Belorado.
Diese Stadt hat offensichtlich sehr viel an Sehenswürdigkeiten zu bieten, doch mir war erstmal nach Café con leche und frischgepresstem Orangensaft, was ich im Hotel Belorado (inklusive WLAN) auch bekam.

Kein Bier, sondern Orangensaft!

Inzwischen begann es stärker zu regnen, trotzdem machte ich mich wieder auf den Weg. Mein heutiges Tagesziel wäre Villafranca gewesen, doch ich kam mir mehr die 5 km bis Tosantos, dann schüttete es so stark, dass ich w.o. gab. 


Zum Glück ließ mich der Hospitalero der kirchlichen Herberge "San Francisco de Asis" schon vor der normalen Öffnungszeit hinein und nach einer ausführlichen Belehrung über die hiesigen Gepflogenheiten durfte ich duschen, Wäsche waschen und es mir am Boden auf einer Matratze gemütlich machen.

Casa Parroquial - Kirchliche Pilgerherberge in Tosantos

Ich war trotzdem glücklich, denn bei diesem Wetter war an weiter pilgern nicht zu denken. Der italienische Hospitalero hatte Mitgefühl, machte mir noch eine Tasse heißen, starken Kaffee und ich schlief bald darauf ein.

Etwa eineinhalb Stunden später wurde ich unsanft von einer Gruppe junger Amerikanerinnen geweckt, die ebenfalls hier Unterstand suchten und sich lautstark unter einander über dieses und jenes austauschten.

Tosantos

Hilft auch gegen Kälte: Ein gutes Gläschen Rioja ;-)

So machte ich mich auf eine kleine Erkundungstour und fand gleich neben der ziemlich verfallenen Kirche eine private Herberge samt angeschlossener Bar. Nach einem sehr leckeren Sandwich mit Hühnerbrust und Salat, Kuchen, Eis und zwei guten Gläschen Rioja sah die Welt trotz der Kälte draußen gleich viel besser aus und ich konnte auch endlich wieder per WLAN mit meinen Lieben zu Hause kommunizieren.


Treffpunkt für Pilger und Einheimische: "Los Arancones" in Tosantos

Um 18:00 Uhr wurde es Zeit, in die Küche hinunter zu gehen und gemeinsam das Abendessen vorzubereiten. Ich wurde zum Tomaten schneiden eingeteilt, ein Ehepaar aus Texas zum Kartoffel schälen, eine deutsche Pilgerin hackte Walnüsse und auf dem Herd köchelte bereits Gemüse in einem großen Wok vor sich hin. 


Daraus sollte später eine leckere Gemüsesuppe werden, dazu gab es Weißbrot mit Olivenöl, als Vorspeise Salat und als Dessert einen Apfel sowie Wasser zum Trinken.


Nach dem Abendessen fand in der hauseigenen Kapelle noch eine Andacht statt, in welcher in verschiedenen Sprachen vergangener, derzeitiger und künftiger Pilger gedacht und für ihre Anliegen gebetet wurde. Schlafenszeit war - wie immer - um 10, allerdings war der Schlafsaal dieses Mal (fast zu gut) geheizt.