Montag, 25. April 2016

Villalcázar - Moratinos oder: Vom Winter in den Sommer in nur einem Tag

Manchmal im Leben muss man Entscheidungen treffen und heute war einer dieser Tage!
Wie die anderen vier Pilgerinnen und Pilger hatte ich die letzte Nacht mit allem, was ich an warmer Kleidung besaß am Körper und trotzdem vor Kälte zitternd in der städtischen Herberge von Villalcázar verbracht.

Ein Pilger aus Italien klagte morgens über Fieber, uns anderen ging es auch nicht viel besser. Ich wollte mich davon jedoch nicht aufhalten lassen, trank um 07:30 nur schnell eine Tasse Kaffee und machte mich auf den Weg, um mich durch körperliche Bewegung vielleicht ein wenig aufzuwärmen. 

Adios, Villalcázar!
 
Die Wetter-App auf meinem IPhone zeigte exakt 1 Grad unter dem Gefrierpunkt, ich hätte mir Handschuhe gewünscht, aber das war nur ein Wunschtraum und so blieb mir nichts Anderes übrig, als im Eiltempo in die nächste Stadt, Carrión de los Condes, zu laufen.
 
Morgenfrost auf dem Weg nach Carrión

Als ich gegen 09:00 Uhr dort eintraf, hatte es noch immer -1°. Ich ging in die erste offene Bar und wärmte mich mit einer guten Tasse Café con leche etwas auf.

Café La Parada - die Bushaltestelle liegt aber gegenüber!

Ehrlich gesagt schauderte mir vor den folgenden 17 km quer durch die Tierra de Campos, denn auf dieser Stecke gab es keine einzige Ortschaft und kein Lokal, um sich zwischendurch ein wenig zu stärken oder bei Bedarf auch aufzuwärmen.


In einem anderen Lokal traf ich einige Pilger, die ich schon von früher kannte. Sie alle hatten genug von der Kälte und dem seit Tagen anhaltenden schlechten Wetter und warteten hier auf den Bus nach Leon. 

Nur noch 403 km bis Santiago ...

Ich konsultierte meinen Pilgerführer und dachte nach ... Allzu leicht wollte ich es mir nun doch nicht machen, außerdem hatte ich ja noch einige Tage Zeit, denn mein Hotelzimmer in Leon war erst für den 29. gebucht und was sollte ich in den kommenden 4 Tagen bis dahin machen?

So entschied ich mich für einen Kompromiss: Ich würde mich im Café, das zugleich als Fahrkarten-Vorverkaufsstelle diente, noch etwas aufwärmen und dann gegen Mittag zusammen mit den anderen den Bus nehmen, jedoch schon bei der ersten Haltestelle wieder aussteigen.

Gesagt, getan! Und diese Entscheidung erwies sich eindeutig als die Richtige ...

 
Terradillos de los Templarios - plötzlich Sommer!

Terradillos de los Templarios - das war der großspurige Name dieser Haltestelle - ist ein Dorf, das der Bezeichnung "wo sich die Füchse Gute Nacht sagen" mehr als gerecht wird: Eine Kirche, ein paar verfallene Häuser und eine - geschlossene - Pilgerherberge, ringsum Wiesen und Felder, dazwischen der Camino ...

Menschenleer - Terradillos

Aber es war deutlich wärmer als in Carrión. Der Weg führte leicht bergauf und ich konnte mich Stück für Stück der vielen Kleidungsstücke entledigen, die ich am frühen Morgen nach der Zwiebeltechnik übereinander gezogen hatte.

Und plötzlich: Das Paradies!

Mit T-Shirt und einer leichten Jacke wanderte ich durch die  smaragdgrünen Felder und landete hinter einer Kurve plötzlich in Moratinos: Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch, am Dorfeingang ein wunderschönes modernes Hostal mit Tischen und Stühlen im Freien auf einer Terrasse mitten im Grünen. Die Sonne schien, der Himmel war tiefblau, ringsum saftig grüne Wiesen, ein kleines Paradies inmitten der Meseta - und ich beschloss für heute hier zu bleiben und die Idylle, die sich so unerwartet vor mir aufgetan hatte einfach zu genießen. 

Albergue Moratinos

P.S.: Wie es dann noch weiterging und ich schließlich mit zwei wildfremden Männern am Zimmer landete, werde ich euch morgen verraten ;-)

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