Mittwoch, 20. Januar 2016

Sprachenverwirrung auf dem Jakobsweg

Liebe Mitlerserinnen und -leser!

Auch das ist ein in Pilgerforen vieldiskutiertes Thema und ich möchte versuchen, aus meiner Sicht als Sprachwissenschaftlerin und Pilgerin darauf einzugehen. Alle meine Anmerkungen beziehen sich ausschließlich auf den Camino francés, d.h. den spanischen Jakobsweg, ausgehend von Saint-Jean.

Immer der Jakobsmuschel nach ... dann kann eigentlich nichs schief gehen

Gleich vorab: Die Hauptsprache auf dem Camino ist Englisch. Mit Italienisch, Französisch und Deutsch kommt man ebenfalls recht gut durch. Spanisch ist wünschenswert, aber nicht unbedingt erforderlich, und unterwegs eignet man sich unvermeidlich die wichtigsten Redewendungen an.

Leicht wird es trotzdem nicht. Ich spreche alle bisher erwähnten Sprachen mehr oder weniger gut und habe es dennoch als sehr anstrengend empfunden, unterwegs zwischen den verschiedenen Sprachen hin und her zu "switchen", sodass ich mich manchmal abends freiwillig in mein Bett zurückgezogen habe und nur mehr allein sein wollte.

Camino francés: Durchgehend gut beschildert

Mit Deutsch und Französisch hatte ich als zweisprachig Aufgewachsene kein Problem, auch nicht mit Italienisch, aber dann ging es schon los: Ich begann, vor allem, wenn ich müde war, viele PilgerInnen an einem Tisch saßen und sich in ihren unterschiedlichen Muttersprachen unterhielten, die Sprachen zu vermischen und ein Kauderwelsch zu sprechen, das zwar in Pilgerkreisen nicht ungewöhnlich ist, von dem ich aber trotzdem froh war, dass mir keiner meiner hiesigen Bekannten dabei zuhörte.

Und das ist wahrscheinlich auch eines unserer Hauptprobleme bezüglich des Erlernens und Anwendens von Fremdsprachen: Wir alle sind noch aus der Schule gewöhnt, immer alles "richtig" sagen zu wollen und beim kleinsten Fehler gerügt oder - noch schlimmer - vor der ganzen Klasse abgewertet zu werden. Nichts ist in Wirklichkeit jedoch kontraproduktiver als das, denn es steht einer flüssigen und angstfreien Kommunikation im Wege und verhindert, dass wir Sprache verwenden und daran "wachsen".

Cafe con leche y croissant de chocolate

Das wusste ich natürlich, hatte es anfangs allerdings verdrängt. Als ich mir dessen irgendwann plötzlich wieder bewusst wurde, wurde es auch für mich leichter. Niemand ist perfekt, nicht einmal in seiner eigenen Muttersprache, und kein Spanier wird von uns erwarten, mit ihm in perfektem Spanisch (wobei es ja nicht einmal "ein" Spanisch gibt, sondern außer dem bei uns für gewöhnlich unterrichtetem "Castellano" noch viele verschiedene Varianten wie Katalanisch, Galicisch, Aragonesisch usw. ...) zu kommunizieren. Genauso wenig ein Amerikaner, eine Franko-Kanadierin, koreanische Studentinnen oder eine italienische Gruppe von Mountainbikern.

Pilgerbüro in SJPDP - Trotz babylonischer Sprachverwirrung wurde hier noch jedem geholfen

Der einzige Tipp, den ich euch also geben kann und will, ist: Sprecht einfach drauf los - egal ob nun auf Deutsch, Englisch oder Spanisch -  hört eurem Gegenüber gut zu und nehmt es als Geschenk, wenn jemand einen Ausdruck, den ihr verwendet korrigiert.

Frühstück in Pamplona - "Verkehrssprache" auf dem Camino ist Englisch

Übrigens: Kennt ihr einen Pilger oder eine Pilgerin, der oder die mangels entsprechender Sprachkenntnisse nicht nach Santiago gekommen ist? Der gelbe Pfeil und die Jakobsmuschel haben bisher noch alle sicher an ihr Ziel gebracht.









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