Sonntag, 24. Januar 2016

"Ich bin dann mal weg" - der Film



In einschlägigen Foren, auf Facebook und unter Leuten, die bereits den Jakobsweg gelaufen sind, wurde in letzter Zeit so viel über diesen Film geredet, dass ich gestern spontan beschloss, ihn mir anzusehen und mir selbst ein Bild über die Verfilmung des deutschen Bestsellers über den Camino Francés zu machen.

Noch recht locker drauf: Devid Striesow als HP Kerkeling in SJPDP


Der Mix aus Comedy, Drama und einem gewissen Anspruch, den der Film letztendlich doch nicht erfüllen kann, richtet sich an ein breitmögliches Publikum, von denen viele sicher ins Kino pilgern und eine Eintrittskarte kaufen werden. Eine nachhaltige Präsenz auf der Leinwand bzw. einen Eingang in die Annalen des Kinos wird "Ich bin dann mal weg" jedoch meiner Meinung nach nicht schaffen.

Schon etwas nachdenklicher geworden: Striesow mit Martina Gedeck in der Meseta

Aber was sind die - durchaus vorhandenen - positiven Seiten des Films?
Die großartige Kameraführung, die die herrliche Landschaft entlang des Camino Francés auf Breitwand so richtig zur Geltung bringt, wird sicher so manchen dazu inspirieren, sich selbst auf den Weg zu machen, um den Camino selbst zu erleben.
Dazu kommt die von Kerkeling transportierte Message, dass es durchaus OK ist, wenn man es sich unterwegs auch einmal leichter macht (Bus, Taxi, Hotel ...), die wirklichen Strapazen des Pilgerns, insbesondere die reale Länge des Wegs, verbunden mit vielen Stunden erfüllt mit Einsamkeit, Selbstzweifel und dem Wunsch aufzugeben kommt nur ansatzweise herüber, wobei wir auch schon bei den Schwächen der Verfilmung wären.

Aus Filmen wie "Der Tod in Venedig" (aber Kerkeling ist nicht Thomas Mann und ich will einen Film, der mit einem ganz anderen Anspruch gedreht wurde, als das Meisterwerk von Visconti, nicht unbedingt als Maßstab nehmen), aber auch "Dein Weg" oder "Saint Jacques ... Pilgern auf Französisch" (um beim spanischen Jakobsweg zu bleiben), wissen wir, dass es durchaus möglich ist, Langsamkeit filmisch wiederzugeben, ohne auf Spannung verzichten zu müssen.

Was darf man sich also von diesem Film erwarten?
Schöne Landschaftsbilder, teilweise durchaus witzige Dialoge und gute Darsteller machen "Ich bin dann mal weg" zu einem netten Abendprogramm, in dem wir mehr über die persönliche Entwicklung Kerkelings, als über den Jakobsweg erfahren, was wahrscheinlich auch in der Intention des Co-Produzenten lag.

Mein Fazit: Eine (mäßig gelungene) Literaturverfilmung, mäßig von daher, da man versuchte, dem Mainstream gerecht zu werden und dabei den künstlerischen Anspruch etwas zu sehr links liegen ließ.

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