Sonntag, 25. September 2016

Ponferrada - Cacabelos: Ein gemütlicher Sonntagsspaziergang

Die Nacht in der großen Pilgerherberge von Ponferrada verlief entgegen meinen Befürchtungen ruhig und gut.

Konzert einer koreanischen Pilgergruppe

Am Abend hatte eine koreanische Pilgergruppe noch ein Konzert gegeben, mit welchem sie auf die erzwungene Teilung ihres Landes in 2 Staaten - Nord- und Südkorea - aufmerksam machen wollten. Das laute Trommeln und die spitzen Schreie waren für meine westlichen Ohren gewöhnungsbedürftig, dennoch war es eine interessante Abwechslung und ein Einblick in eine mir bis dato völlig unbekannte Welt. Gleich nach dem Konzert begann es stark zu regnen, was eine Erleichterung war. Am Morgen war die Luft frisch und angenehm kühl.

Aufbruch aus Ponferrada am frühen Morgen

Ich startete kurz nach 7, war gegen 8 nach einem kurzen Anstieg, in Columbrianos und könnte mir dort ein gutes Frühstück mit frischem Orangensaft und einem Napolitano, einer Art Schokocroissant.
 
Schöner, ebener Wanderweg durch das Bierzo
 
Weinmuseum CIVI - Centro de interpretación de la Vid y el Vino

Von nun an verlief der Weg eben, passierte mehrere Straßendörfer, stieg nach Camponaraya nochmals kurz an und führte dann  durch Weingärten und ein Wäldchen nach Cacabelos, wo ich beschloss zu bleiben und den schönen, sonnigen Tag in Ruhe zu genießen.

Hostal Gallengo in Cacabelos

Ich fand aufgrund der frühen Stunde - es war erst gegen Mittag - ein Bett in einem für Pilgerverhältnisse fast schon als luxuriös zu bezeichnenden - Vierbettzimmer mit Bad und Balkon im Hostal Gallengo, einem gut ausgestatteten Haus direkt im Zentrum, wo ich auch zu Mittag aß.

Stadtzentrum von Cacabelos

Den Nachmittag verbrachte ich mit typischen Pilgerbeschäftigungen wie Wäsche waschen, einkaufen gehen (hier trotz Wochenende kein Problem) und Sightseeing, unterhielt mich mit meinen neuen Zimmergenossinnen, zwei Damen aus Puertorico und einer jungen Holländerin, und ließ ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein.

Samstag, 24. September 2016

El Acebo - Ponferrada


Albergue San Nicolás de Flüe in Ponferrada

Ich schreibe heute aus der Albergue S. Nicolás de Flüe in Ponferrada. Nach der frischen Gebirgsluft der vergangenen Tage ist es hier auf nur etwa 500 m heiß und drückend schwül, was sich wiederum auf den Kreislauf schlägt.

Fast hätte ich mich hier im Gestrüpp verirrt

Nach dem doch recht anstrengenden Abstieg von El Acebo über Riego de Ambrós, wo ich mich zu allem Überfluss noch auf der Hochebene verirrt habe, weil der offensichtlich falsche Weg mitten in der Vegetation im Leeren endete und ich nur mit Mühe zwischen hohem Gestrüpp über eine Geröllhalde zurück auf die Landstraße fand (Gott sei's gedankt, denn wäre mir bei diesem riskant en Abstieg etwas passiert, hätte mich wohl keiner so rasch gefunden!), erreichte ich nach etwa 2,5 Stunden das Städtchen Molinaseca, ein nettes Plätzchen, das mich aber nicht so besonders ansprach.
 
Molinaseca

Ich wanderte daher ohne Pause weiter, durchquerte den Vorort Campo und kam gegen 11 Uhr Vormittag in Ponferrada an. Durch das warme und schwüle Klima hier in der Ebene war ich ziemlich müde und so machte ich mich gleich auf die Suche nach einer Herberge für die kommende Nacht.

Der wunderschöne Garten der Herberge San Nicolás

Bei einem großen Parkplatz am Ortsrand wurde ich alsbald fündig. Die Albergue de peregrinos S. Nicolás de Flüe inmitten eines schönen Gartens mit Blumen, einem Wasserbecken und Sitzbänken machte einen sehr netten Eindruck und so beschloss ich zu bleiben. Die von Voluntarios betriebene Herberge öffnet erst um 13:00 Uhr, doch uns wurde erlaubt, in der Zwischenzeit im Waschhaus hinten im Garten zu duschen und Wäsche zu waschen.

Waschhaus der Albergue San Nicolás de Flüe in Ponferrada

Als die Hospitaleros dann pünktlich aufsperren, bekam ich ein gemütliches Bett in einem 6-Bett-Zimmer für Frauen. In der großen und sehr gut ausgestatteten Küche bereitete ich mir anschließend ein einfaches Mittagessen zu, trank einen Kaffee aus dem Automaten und brach danach zu einem Stadtrundgang auf.

El castillo templario de Ponferrada

Ponferrada, die Hauptstadt der Weinregion Bierzo, besitzt eine schöne historische Altstadt mit einer großen Kathedrale, über der Stadt thront die beeindruckende Fortaleza de los Templarios, die Templerburg, hoch oben auf einem Hügel am Ufer des Flusses.


Hier suchte ich mir ein kleines Café mit WLAN, denn das Internet in der Herberge war noch nicht eingeschaltet und auch danach sollte jeder mit einem speziellen Zugangscode nur 60 Minuten surfen dürfen. So könnte ich meinen Lieben zu Hause mitteilen, dass alles in Ordnung war, denn ich hatte versprochen, mich einmal täglich  daheim zu melden.

Figuren von Don Quijote und Sancho Panza

Soweit der heutige Tag - ein Pilgertag verläuft für gewöhnlich in sehr geregelten Bahnen: 06:00-07:00 Uhr aufstehen, waschen, zusammenpacken und ggf. frühstücken, bis zur nächsten oder übernächsten Ortschaft marschieren, dort eine kleine Stärkung, weiterlaufen bis Mittag oder kurz danach, Herberge suchen, duschen, Wäsche waschen, gegen 15:00 Mittagessen, ausruhen, falls zutreffend ein wenig Sightseeing, Tagebuch oder Blog schreiben, eventuell noch eine Kleinigkeit essen und früh ins Bett. Nachtruhe/ Sperrstunde ist zumeist um 22:00 Uhr.

Astorga - El Ganso: Urlaub zwischendurch



Nach den Aufregungen des gestrigen Nachmittags verlief die Nacht im komfortablen Priesterzimmer gut und ich konnte mir sogar auf dem Tablet meine spanischen Serien ansehen.
Ich wachte erst gegen halb sieben auf und verließ kurz danach die Albergue municipal.
In der Nacht hatte ich mir noch überlegt, wie ich die lästigen Brasilianer am besten loswerden könnte. Die Antwort lag auf der Hand: Heute nur eine kürzere und danach versetzte Etappen...
Draußen war es noch stockfinster, doch ich ging einfach den anderen hinterher und gelangte bald aus der Stadt hinaus.

Stempelstelle - Ermita Ecce Homo

Kurz danach, in Valdeviejas gelangte ich zu einer kleinen Kapelle Ermita Ecce Homo mit Brunnen und Stempelstelle, dann ging es durch Felder und Wiesen langsam bergauf und nach etwa einer Stunde legte ich in Murias de Rechivaldo eine kleine Frühstückspause ein.

 

Frisch gestärkt mit Café con leche, frischgepresstem Orangensaft und einer Banane wanderte ich weiter durch die von Kilometer zu Kilometer schöner werdende Landschaft und erreichte nach etwa einer weiteren Stunde das wunderschöne Dorf Santa Catalina di Somoza. 
 

Hier wäre ich gerne geblieben, doch es war noch zu früh und so marschierte ich weiter nach El Ganso, meinem heutigen Etappenziel, mindestens genauso schön und - abgesehen von der Cowboybar - genauso romantisch.

Die berühmte "Cowboy-Bar" in El Ganso

Da es noch früh war, bekam ich sogar in der wunderschönen Albergue Gabino auf Anhieb mein Wunschbett. Dass der Besitzer dieser Pension Holistiker ist, merkt man hier an jedem Detail: Gemütliche Zimmer, bunte Bettwäsche, leise und angenehme Musik, der Duft von Räucherstäbchen und ein schöner, gepflegter Innenhof mit Sitzgelegenheiten und einem Waschhaus.
 
Albergue Gabino, El Ganso

Für das Bett inklusive Frühstück sowie Kaffee und Tee zur freien Entnahme bezahlte ich lächerliche 8€ und ging anschließend in das kleine Geschäft ein paar Meter weiter, um mich für das Abendessen und den nächsten Tag mit Lebensmitteln einzudecken.


Da es sich um eine sehr kleine, familiäre Herberge (sie erinnerte mich ein wenig an die Casa rural De sol a Sol in Hontanas) handelt, war sie sehr bald voll und viele nachfolgende Pilger ohne Reservierung wurden weiter geschickt.

Ich finde diese Entwicklung sehr schade, denn ohne Reservierung wird es hier immer schwieriger, was - wie ich finde - dem eigentlichen Geist des Pilgerns entgegensteht. Massentourismus mit geplanten Etappen, Buspilgern bzw. Pilgern mit Tagesrucksack und vorausgeschicktem Gepäck bei den Einen verstärkt die Sorge, am Ende des Tages kein Bett zu bekommen bei den Anderen und daher weichen bereits viele auf andere Routen wie den Camino del Norte oder den Portugues aus.

Der Ärger auf die Tourist Pilgrims, auf Spanisch werden sie "Tourigrinos" genannt ist - vor allem auf den letzten 200 km - groß. Auf den letzten 100 km waren 2/3 aller Pilger*innen, denen ich begegnete Tourigrinos, die meisten mit Daypacks, die an die Turnbeutel, die wir seinerzeit in der Schule hatten, erinnerten.

"Tourist Pilgrims, please leave the Albergues for Pilgrims"