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Samstag, 7. Mai 2016

Albergue Parada Viloria - Erfahrungsbericht


Im Gegensatz zu der unfreundlichen Art, mit der ich von einer äußerst schlecht gelaunten Dame in dem so hochgelobten Refugio von Acacio und Orietta weggeschickt wurde, weil ich mir nach einer halben Stunde Warten vor geschlossenen Türen um 14 Uhr erlaubt hatte zu fragen, ob denn schon geöffnet sei (in meinem Pilgerführer stand, ebenso wie im Internet 13:30), wurde ich in der nur ein paar Schritte entfernten Albergue Parada Viloria sehr nett aufgenommen.

Einfach, aber sauber: Schlafsaal in der Parada Viloria


Da es noch relativ früh war, konnte ich mir ein Bett - im räumlich abgetrennten 2er-Abteil - aussuchen, das Haus ist sauber und gepflegt, WCs und Duschen sind recht geräumig, die Hospitalera wäscht und trocknet die Wäsche gegen einen kleinen Unkostenbeitrag (3 € Waschmaschine + 3 € Trockner).

Das gemütliche Wohnzimmer

Im nett eingerichteten Aufenthaltsraum, der zugleich Wohnküche und Speisesaal ist, kann man sich gemütlich zusammensetzen, lesen, Musik hören oder Spiele spielen.


Ein sonniges Plätzchen vor dem Haus

Pluspunkte: Sehr nette und freundliche Hospitalera, gute Küche (auf Wunsch auch zwischendurch), Obst und Getränke gegen freie Spende, auch selbst kochen ist möglich. Mit 5 € eine der günstigsten Herbergen auf dem Camino.

Hinweis: Die Schlafsäle in dieser Herberge werden nicht beheizt und auch das Wasser war ziemlich kalt. Im Aufenthaltsraum befindet sich jedoch ein Holzofen, der von der Hospitalera abends eingeheizt wurde.

Weniger gut: Schwaches WLAN

Insgesamt sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, im Sommer muss es hier herrlich sein!


Sonntag, 17. April 2016

Viloria - Tosantos


Im Speisesaal der Albergue Parada de Viloria

Auch die gestrige Nacht war sehr sehr kalt! Ich war so erschöpft, dass ich zum Abendessen gar nicht mehr in den Speisesaal hinunter ging. 

Was Vorjus, den Pilger aus dem Baltikum, betrifft, so wurde ihm von einer norwegischen Krankenschwester, die am frühen Nachmittag ebenfalls in der Albergue eintraf, eine starke Überbeanspruchung der Sehnen mit dem Risiko, eine Entzündung dazu zu bekommen, diagnostiziert und sie empfahl ihm, einen ruhigeren Tag - ohne Gepäck - einzuschieben, was er letztendlich auch tat.
Um 5 € ist es nämlich möglich, das Gepäck in eine Herberge voraus zu schicken, das lohnt sich bestimmt in Fällen wie diesem ...

Jedenfalls traf ich die beiden heute Vormittag nochmals auf dem Weg zwischen Belorado und Tosantos und er machte einen recht fröhlichen Eindruck.
Ein Tagespensum von durchschnittlich 28 km mit Spitzenwerten bis zu 45 km (wie er sagte) scheint offensichtlich zu viel zu sein und er war nicht der erste, dem sein Körper einen Strich durch die Rechnung machte ...

Es regnete leicht, als ich gegen halb 8 von Viloria aus aufbrach. Ich hatte gehofft, in der nächsten Ortschaft, Villamayor, ordentlich frühstücken zu können, denn das Frühstück in der Herberge (Zwieback mit Marmelade und Nutella und Pulverkaffee) war nicht berauschend gewesen, doch auch hier war um 9 noch alles geschlossen und so hieß es noch 5 km weiter marschieren bis Belorado.
Diese Stadt hat offensichtlich sehr viel an Sehenswürdigkeiten zu bieten, doch mir war erstmal nach Café con leche und frischgepresstem Orangensaft, was ich im Hotel Belorado (inklusive WLAN) auch bekam.

Kein Bier, sondern Orangensaft!

Inzwischen begann es stärker zu regnen, trotzdem machte ich mich wieder auf den Weg. Mein heutiges Tagesziel wäre Villafranca gewesen, doch ich kam mir mehr die 5 km bis Tosantos, dann schüttete es so stark, dass ich w.o. gab. 


Zum Glück ließ mich der Hospitalero der kirchlichen Herberge "San Francisco de Asis" schon vor der normalen Öffnungszeit hinein und nach einer ausführlichen Belehrung über die hiesigen Gepflogenheiten durfte ich duschen, Wäsche waschen und es mir am Boden auf einer Matratze gemütlich machen.

Casa Parroquial - Kirchliche Pilgerherberge in Tosantos

Ich war trotzdem glücklich, denn bei diesem Wetter war an weiter pilgern nicht zu denken. Der italienische Hospitalero hatte Mitgefühl, machte mir noch eine Tasse heißen, starken Kaffee und ich schlief bald darauf ein.

Etwa eineinhalb Stunden später wurde ich unsanft von einer Gruppe junger Amerikanerinnen geweckt, die ebenfalls hier Unterstand suchten und sich lautstark unter einander über dieses und jenes austauschten.

Tosantos

Hilft auch gegen Kälte: Ein gutes Gläschen Rioja ;-)

So machte ich mich auf eine kleine Erkundungstour und fand gleich neben der ziemlich verfallenen Kirche eine private Herberge samt angeschlossener Bar. Nach einem sehr leckeren Sandwich mit Hühnerbrust und Salat, Kuchen, Eis und zwei guten Gläschen Rioja sah die Welt trotz der Kälte draußen gleich viel besser aus und ich konnte auch endlich wieder per WLAN mit meinen Lieben zu Hause kommunizieren.


Treffpunkt für Pilger und Einheimische: "Los Arancones" in Tosantos

Um 18:00 Uhr wurde es Zeit, in die Küche hinunter zu gehen und gemeinsam das Abendessen vorzubereiten. Ich wurde zum Tomaten schneiden eingeteilt, ein Ehepaar aus Texas zum Kartoffel schälen, eine deutsche Pilgerin hackte Walnüsse und auf dem Herd köchelte bereits Gemüse in einem großen Wok vor sich hin. 


Daraus sollte später eine leckere Gemüsesuppe werden, dazu gab es Weißbrot mit Olivenöl, als Vorspeise Salat und als Dessert einen Apfel sowie Wasser zum Trinken.


Nach dem Abendessen fand in der hauseigenen Kapelle noch eine Andacht statt, in welcher in verschiedenen Sprachen vergangener, derzeitiger und künftiger Pilger gedacht und für ihre Anliegen gebetet wurde. Schlafenszeit war - wie immer - um 10, allerdings war der Schlafsaal dieses Mal (fast zu gut) geheizt.

Freitag, 15. April 2016

Grañon - Viloria de Rioja

Abend am Kaminfeuer, Albergue de las Sonrisas in Grañon

Nachdem der Abend doch noch recht gemütlich verlaufen war (im Aufenthaltsraum der Albergue hatte es immerhin 17 Grad, Alessandro, ein italienischer "Weltreisender" knackte in einem Mörser Mandeln und die mehrsprachige Unterhaltung kam auch nach und nach in Gang), hieß es irgendwann dann doch schlafen gehen und die Nacht im Doppelzimmer mit einem laut schnarchenden etwa 70-jährigen Spanier bei gefühlten 5 Grad und folglich mit Anorak und allem anderen, was ich an warmer Kleidung mit dabei hatte, am Körper muss ich wahrscheinlich hier nicht näher beschreiben ...

Irgendwann ging sie dann doch vorüber. Nach einem starken Espresso verließ ich gegen 07:30 das zwar gastliche, aber sehr ungemütliche Haus in Richtung Belorado. Leider war der Weg nicht beschildert und so fand ich mich zusammen mit ungarischen und holländischen Pilgern gegen neun in einem Dörfchen namens Villarta-Quintana wieder, welches zwar wunderschön idyllisch aussah, aber, wie uns eine freundliche Einheimische erklärte, abseits des Caminos lag ...

Abseits! - Das idyllische Villarta-Quintana

So blieb uns nichts Anderes übrig, als fast den ganzen Weg bis Grañon wieder zurück zu gehen, und gegen 10 trafen wir schließlich wieder auf die gelben Pfeile.

Ein feines Plätzchen: Recedilla del Camino

Kurz danach verließen wir die Provinz La Rioja, die nächste Ortschaft, Redecilla, befand sich bereits in Castilla y Leon. Grund genug, dort mit einem Gläschen Vino Tinto auf den wieder gefundenen Weg anzustoßen.

Nach Navarra und Rioja geht es nun nach Castilla y León

Nun ging es durch Castildelgado weiter nach Viloria del Rioja, wo ich eigentlich im - in diversen Foren empfohlenen - Refugio von Acacio und Orietta absteigen wollte, das auch wirklich sehr hübsch und gepflegt aussah, aber leider geschlossen war. Also legte ich mich davor auf einer Bank in die Sonne und ließ die Seele baumeln.

Leider geschlossen: Das Refugio von Acacio und Orienta

Gegen 13:30 erschien die Hospitalera, doch auf meine Frage, ob sie nun öffnen würde, verwies sie in ziemlich barschem Ton auf ein Schild, auf dem - im Gegensatz zu der im Pilgerführer angegebenen Zeit - nämlich 13:30 - "we open at 14:00" stand und empfahl mir doch "in die andere Herberge zu gehen", was ich auch tat.

Eine sehr nette Alternative: Albergue Parada Viloria

In der Albergue Parada Viloria bekam ich sofort ein Bett in einem 2-Personen-Abteil, die freundliche Dame bot mir an, meine Wäsche zu waschen und zu trocknen und bereitete mir anschließend eine leckere Tortilla zu.
Leider gab es auch hier im Schlafsaal keine Heizung und das Wasser, das aus dem Wasserhahn kam, war eher kalt bis eisig, aber der Aufenthaltsraum war beheizt und nach einem weiteren Gläschen Rioja sah die Welt gleich besser aus ...

Wie es mir und dem jungen Mann aus Litauen erging - offensichtlich waren wir hier die einzigen Gäste - berichte ich morgen, so Gott und das Internet will ... ☺