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Montag, 26. September 2016

Cacabelos - Pereje

Die Weinberge des Bierzo

Heute war ich müde, die Anstrengungen der letzten Woche machen sich bemerkbar, und so bin ich von Cacabelos nur bis kurz nach Villafranca del Bierzo, nach Pereje gekommen.


Weingut im Bierzo

Von Cacabelos ging es zunächst bergauf und bergab durch die Weingärten, wo die Bauern gerade mit der Weinlese beschäftigt waren. Ich hatte gehofft, unterwegs irgendwo frühstücken zu können, musste aber bis halb 11 warten, denn in den Dörfern entlang des Caminos war alles geschlossen.

Bar "La Escuela" - leider geschlossen

Endlich erreichte ich Villafranca und stärkte mich auf der Terrasse eines Cafés mit Orangensaft und Café con leche. Churros gab es gratis dazu. Es war ziemlich kalt und ich war froh, dass ich mich ein bisschen in der Sonne aufwärmen konnte.

Café, Orangensaft und Churros in Villafranca

Die Stadt mit ihren engen Gassen und den vielen Treppen gefiel mir nicht besonders, aber ich hatte sowieso nicht vorgehabt, hier zu bleiben.

Villafranca del Bierzo

Danach folgte eine ca. 5 km lange asphaltierte Strecke entlang der Landstraße, unter Autobahnbrücken hindurch, die zwischen hohen Bergen in Serpentinen langsam ins Tal führte.

Ziemlich öde: Kilometerlanger Weg entlang der Landstraße

Einzig erwähnenswert: Die Kastanienbäume und die vereinzelten Gemüsegärten entlang des Flusses, den die Straße mehrmals überquerte.

Auch für seine Edelkastanien bekannt - das Bierzo

Gegen Mittag erreichte ich das kleine Dorf Pereje, fand auf Anhieb die urige Albergue auf der rechten Straßenseite und die junge, nette Hospitalera erlaubte mir, meine Sachen einzustellen, obwohl die offizielle Öffnungszeit erst in einer halben Stunde, also um 12:30 h war.

Albergue de Pereje

So wusch ich erstmal im Garten meine Wäsche, hängte sie zum Trocknen auf und setzte mich ein wenig in die Sonne. Dann konnte ich auch schon einchecken und heiß duschen. Da ich die erste war, hatte ich freie Auswahl bei den Betten im Schlafsaal.

Auf der schattigen Terrasse der Bar Las Coronas

Nachdem ich alle Pflichten erledigt hatte, ging ich in dir kleine Bar gleich nebenan, aß und trank eine Kleinigkeit und genoss die Sonne auf der Terrasse.

Bar Las Coronas in Pereje

Anschließend blieb nichts Anderes zu tun, als mir die folgende Etappe im Pilgerführer anzusehen, mit zu Hause die neusten Nachrichten auszutauschen und mich auszuruhen, um den kommenden Herausforderungen - der Anstieg auf den 1330 m hohen O Cebreiro stand ja kurz bevor - gewachsen zu sein.

Tourigrinos auf dem Weg nach Santiago

Im Gegensatz zu meinen früheren Aufenthalten auf dem Jakobsweg bemerkte ich diesmal immer mehr Pilger bloß mit Tagesrucksack oder gänzlich ohne Gepäck. Ich frage mich, ob das ein allgemeiner Trend ist, oder ob es damit zu tun hat, dass ich nun schon sehr nahe bei Santiago bin und die Leute möglicherweise nach der langen Strecke von der französisch-spanischen Grenze bis hier her bereits müde sind. Tatsache ist auch, dass sehr viele von ihnen ihre Quartiere vorreservieren, wohin sie sich dann die Rucksäcke zustellen lassen. In meinen Augen eine ungute Entwicklung, da sie bei "echten" Pilgern, wie bereits erwähnt, viel Stress erzeugt, was einem entspannten und meditativen Pilgern entgegensteht. Es wundert mich daher nicht, dass viele bereits auf andere Routen ausweichen, denn das kann es einfach nicht sein ...

Sonntag, 25. September 2016

Ponferrada - Cacabelos: Ein gemütlicher Sonntagsspaziergang

Die Nacht in der großen Pilgerherberge von Ponferrada verlief entgegen meinen Befürchtungen ruhig und gut.

Konzert einer koreanischen Pilgergruppe

Am Abend hatte eine koreanische Pilgergruppe noch ein Konzert gegeben, mit welchem sie auf die erzwungene Teilung ihres Landes in 2 Staaten - Nord- und Südkorea - aufmerksam machen wollten. Das laute Trommeln und die spitzen Schreie waren für meine westlichen Ohren gewöhnungsbedürftig, dennoch war es eine interessante Abwechslung und ein Einblick in eine mir bis dato völlig unbekannte Welt. Gleich nach dem Konzert begann es stark zu regnen, was eine Erleichterung war. Am Morgen war die Luft frisch und angenehm kühl.

Aufbruch aus Ponferrada am frühen Morgen

Ich startete kurz nach 7, war gegen 8 nach einem kurzen Anstieg, in Columbrianos und könnte mir dort ein gutes Frühstück mit frischem Orangensaft und einem Napolitano, einer Art Schokocroissant.
 
Schöner, ebener Wanderweg durch das Bierzo
 
Weinmuseum CIVI - Centro de interpretación de la Vid y el Vino

Von nun an verlief der Weg eben, passierte mehrere Straßendörfer, stieg nach Camponaraya nochmals kurz an und führte dann  durch Weingärten und ein Wäldchen nach Cacabelos, wo ich beschloss zu bleiben und den schönen, sonnigen Tag in Ruhe zu genießen.

Hostal Gallengo in Cacabelos

Ich fand aufgrund der frühen Stunde - es war erst gegen Mittag - ein Bett in einem für Pilgerverhältnisse fast schon als luxuriös zu bezeichnenden - Vierbettzimmer mit Bad und Balkon im Hostal Gallengo, einem gut ausgestatteten Haus direkt im Zentrum, wo ich auch zu Mittag aß.

Stadtzentrum von Cacabelos

Den Nachmittag verbrachte ich mit typischen Pilgerbeschäftigungen wie Wäsche waschen, einkaufen gehen (hier trotz Wochenende kein Problem) und Sightseeing, unterhielt mich mit meinen neuen Zimmergenossinnen, zwei Damen aus Puertorico und einer jungen Holländerin, und ließ ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein.