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Donnerstag, 25. Mai 2017

Deuter Futura Pro 40 SL - Erfahrungsbericht




Nachdem ich mich auf dem Camino Francés im vergangenen Jahr ziemlich mit meinem Vaude Bavella 40 herumgequält hatte, fiel kurz vor meinem Aufbruch auf den Camino Portugues im April die Entscheidung, ein anderes Modell zu erwerben.


Ich suchte daher mehrere Sportgeschäfte auf und probierte das Angebot durch. Meine Vorgabe war, es sollte ein qualitativ hochwertiger Damenrucksack in der Größe zwischen 35 und 50 Liter sein, der den Druck auf die Schultern entlastet.

Natürlich probierte ich auch die Modelle von Deuter durch, den Deuter ACT Lite 35+10 hatte ich sogar zum Probetragen mit zu Hause. Dieses Modell passte perfekt und wäre ideal für den Transport im Flieger als Handgepäck gewesen, beim Probepacken stellte sich jedoch heraus, dass es ziemlich eng wurde, denn die Damenmodelle von Deuter sind im Vergleich zu anderen Rucksäcken doch recht schmal.

Seitenansicht Deuter Futura Pro 40 SL

So brachte ich ihn am nächsten Tag wieder zurück, legte noch ein paar Euro drauf und nahm schließlich den Futura Pro 40 SL mit nach Hause. Er ist mit 68 / 34 / 26 (H x B x T) cm zwar ein wenig niedriger als der ACT Lite  mit 70 / 27 / 22 (H x B x T) cm, jedoch 7 cm breiter und 4 cm tiefer, wodurch ich alle meine Sachen problemlos darin verstauen konnte.

Auf den ca. 250 km des Portugiesischen Jakobswegs hatte ich dann ausgiebig Zeit, ihn zu testen. Nachdem ich ihn (auch das brauchte seine Zeit) am 3. Tag endlich richtig eingestellt hatte, war ich restlos begeistert, insbesondere von dem Rundprofilrahmen und den gepolsterten Schulterträgern und spürte ihn fortan kaum, obwohl er laut Wiegung am Wiener Flughafen knapp unter 8 kg auf die Wage brachte, wozu später noch Proviant und Wasserflasche kamen.

Rückenansicht Deuter Futura Pro 40 SL

Vom Platz und der Aufteilung her ist der Deuter Futura fast identisch mit meinem alten Vaude Bavella: Abgetrenntes Schlafsackfach, in dem auch der Regenponcho noch bequem Platz fand, ausreichend Innenraum für 2 Paar Schuhe, Packsäcke für gewaschene und schmutzige Wäsche, Handtücher und Kulturbeutel, im Deckel ebenfalls sehr viel Platz für die Reiseunterlagen im inneren Fach, Regenjacke und Pulli im äußeren.


Ebenso wie der Vaude, hat auch der Futura Pro eine integrierte Regenhülle im Bodenfach, die in Galizien recht häufig zum Einsatz kam, Stockhalterungen an den Außenfächern, Kompressionsriemen und zusätzlich noch ein praktisches Stretch-Innenfach, z.B. für ein Tablet.

Das große Plus für Leute mit einer leichten Skoliose wie mich, ist jedoch der Rahmen, der sich in meinem Fall perfekt an meinen Rücken anschmiegt und das Gewicht von den Schultern wunderbar auf die Hüften verteilt.

Anders als beim Bavella, wo ich unter dem Einschneiden im Schulterbereich sehr gelitten hatte, verrutschen die Schulterträger nicht und die Hüftflossen passen sich ebenfalls sehr gut der Körperform an.

Fazit:

Kurz gesagt, es ist ein Vergnügen, mit dem Deuter Futura 40 SL weitwandern zu gehen. Er gehört mit 1720 g nicht zu den leichtesten Rucksäcken und ist auch preislich im oberen Segment angesiedelt, doch der Tragekomfort ist jeden Euro wert und sein Eigengewicht (er wiegt übrigens exakt genauso viel wie mein alter Vaude Bavella) spielt aufgrund der genialen Gewichtsverteilung keine Rolle.






Mittwoch, 24. Mai 2017

Packliste NEU für den Camino Portugues



Als ich mich vor 4 Wochen auf den Weg von Porto nach Santiago machte, packte ich meinen Rucksack so, wie ich es vom Camino Francés gewohnt war. So manches, was ich mit dabei hatte, erwies sich als überflüssig, anderes als für diesen, völlig anders gearteten Weg, ungeeignet, denn die beiden Caminos sind völlig unterschiedlich, sowohl was das Gelände, als auch die Unterkünfte und die klimatischen Gegebenheiten betrifft.

Portugiesischer Küstenweg

Die hohen Wanderstiefel, die Trekkingstöcke und den Schlafsack hätte ich beruhigt zu Hause lassen können. Das Gelände ist größtenteils eben, gut befestigt, ohne merkliche Höhenunterschiede. Normale Sportschuhe oder Trekkingsandalen reichen in der warmen Jahreszeit völlig aus. In allen Herbergen oder Hostels, in denen ich nächtigte gab es frische Bettwäsche, meinen Schlafsack habe ich auf den 250 km nicht einmal ausgepackt.

Frisch überzogenes Bett: Hostel D'Avenida (Vila Praia)

Auch die klimatischen Bedingungen sind an der Atlantikküste anders, als im Spanischen Innenland:
Das Wetter in Portugal war aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit zumeist sehr schwül, an manchen Tagen ging starker Wind und in Galicien regnete es fast jeden Tag. Funktionskleidung erwies sich bei der feuchten Hitze als nicht besonders geeignet. Zum Glück hatte ich ein Baumwollshirt dabei, später kaufte ich mir noch ein weiteres aus Biobaumwolle dazu und fühlte mich darin weitaus angenehmer.
   



Unumgänglich ist ein Regenponcho. Auch die dünne Regenjacke, die ich dabei hatte, erwies sich als Allround-Talent, nicht nur bei leichtem Regen, sondern auch als Windbreaker. Sie nimmt kaum Platz weg und reicht - über einem leichten Viskosepulli - getragen, auch früh morgens oder abends bei frischeren Temperaturen.

Folgende Dinge hätte ich ebenfalls nicht missen mögen:


Sonnenhut und Sonnenbrille
Baumwoll-Leggings (ein Allrounder, sowohl abends zum Weggehen, als auch als Pyjama-Ersatz)
leichte Bluse zum Darüberziehen über ein Top oder Shirt für Abends oder zum Sightseeing
den kleinen City Rucksack zum Zusammenfalten


Meine neue Packliste für den Camino Portugues (ich hoffe, in ein paar Monaten, die Strecke von Lissabon über Fatima nach Porto gehen zu können), sieht demnach so aus:

Packliste - Camino Portugues

Rucksack 34-40 Liter inkl. Regenhülle
Bauchtasche
zusammenfaltbarer Minirucksack für Einkauf und Sightseeing
Beutel in verschiedenen Farben (Packsystem), Sack für Schmutzwäsche

Regenponcho
Regenjacke
Sportjacke
2 -3 x dünne Wandersocken
3 Shirts oder Tops (am besten aus Baumwolle)
1 dünne Bluse (auch als Jäckchen verwendbar)
2 Slips, 2 BHs, 1 Bikini
leichter Langarmpulli
Trekkinghose + eine zweite bequeme Hose
Leggings
Kopfbedeckung (Sonnenschutz) 
Sportschuhe
Crocs oder Flip-Flops

Toilette-Tasche zum Aufhängen (muss aber gar nicht sein, Plastiktüte mit Zipper wäre genauso gut, aber um einiges leichter)
Shampoo, Duschgel, Cremes (Proben)
Zahnpastakonzentrat, Zahnbürste
Handtuch + Badetuch
Magnesium etc.
Pflaster, Blasenpflaster
Sonnencreme
Hirschtalgcreme
Medikamente
Papiertaschentücher
Haarspange, Haargummi
Schere, Feile, Kamm, Bürste, etc.

Smartphone mit Ladekabel

Geldbörse, Bankomat- und Kreditkarte
eCard
Reisepass
Pilgerpass
Reiseführer (ganz dünne Version)
Kleines Notizbuch
Kugelschreiber
Brille + Sonnenbrille 


So gesehen dürfte das Gewicht um die 5 Kilo liegen, was auch völlig ausreicht, um den Camino so richtig genießen zu können.

Freitag, 28. April 2017

Und neue Schuhe hab' ich auch :-)



Das war, wie sich vielleicht einige von euch noch erinnern, das traurige Ende meiner LOWA-Wanderschuhe, die mich ohne eine einzige Blase auf dem gesamten Camino Francés bis kurz vor Santiago begleitet haben. In Santa Irene war es dann leider vorbei und ich gab sie gleich den Müllmännern mit, die zur gleichen Zeit vorbeikamen. Die letzten Kilometer bis Santiago brachte ich dann in meinen Trekking-Sandalen bzw. - da es kurz vor dem Ziel zu schütten begann - im Bus hinter mich.



Nun ergab es sich durch Zufall, dass mir ein neues Paar LOWA Renegade GTX Mid zu einem Schnäppchenpreis angeboten wurden, fast das gleiche Modell, nur in einer anderen Farbe und einige Gramm leichter (was auf jeden Fall von Vorteil ist). Meine orthopädischen Einlagen, die ich mir für den Camino Portugues anfertigen ließ, passen ebenfalls perfekt.

In diesem Sinne ...

Packliste NEU

und nochmals reduziert ...

Rucksack 40 Liter inkl. Regenhülle
leichter Schlafsack
aufblasbares Kopfkissen
Trekkingstöcke
Bauchtasche
zusammenfaltbarer Minirucksack für Einkauf und Sightseeing
Beutel in verschiedenen Farben (Packsystem), Sack für Schmutzwäsche

Regenjacke mit integrierter Fleece-Weste
Sportjacke
3 x Wandersocken
3 Funktionsshirts, eines davon mit langen Ärmeln
1 dünne Bluse (auch als Jäckchen verwendbar)
3 Slips
3 BHs
leichter Langarmpulli
Trekkinghose + eine zweite bequeme Hose
Leggings (bei kaltem Wetter zum Darunterziehen, sonst als Pyjama-Ersatz)
Kopfbedeckung (Sonnenschutz)
Wanderschuhe
leichte Sportschuhe
Crocs oder Flip-Flops

Toilette-Tasche zum Aufhängen (muss aber gar nicht sein, Plastiktüte mit Zipper wäre genauso gut, aber um einiges leichter)
Shampoo, Duschgel, Cremes (Proben)
Zahnpastakonzentrat, Zahnbürste
Handtuch + Badetuch
Magnesium etc.
Pflaster, Blasenpflaster (habe ich bisher nicht gebraucht, kann man notfalls vor Ort kaufen)
5 große Sicherheitsnadeln, kleines Nähset
Sonnencreme
Hirschtalgcreme
Medikamente
Papiertaschentücher
Haarspange, Haargummi
Schere, Feile, Kamm, Bürste, etc.

Smartphone mit Ladekabel und Power Bank
Stirnlampe
Karabiner mit integriertem Messer (bis 5 cm im Handgepäck erlaubt), Göffel
Campingbecher

Geldbörse, Bankomat- und Kreditkarte
eCard
Reisepass
Klarsichthülle mit Reiseunterlagen
Pilgerpass
Reiseführer (ganz dünne Version)
Kleines Notizbuch
Kugelschreiber
Brille + Sonnenbrille 



Buen camino a tod@s!

Freitag, 21. April 2017

Der Mensch denkt, Gott lenkt ...

und im Leben läuft nicht immer alles nach Plan, daher musste ich meinen Abflug, der ursprünglich für Anfang letzter Woche geplant war verschieben. Meine Tochter war ziemlich heftig erkrankt und daher stand es für mich außer Frage, den Flug und das Quartier für die erste Nacht zu stornieren und ihr beizustehen.

Diesmal noch mehr reduziert und unter 6 kg


Nun geht es meiner lieben Tochter wieder gut, mein Rucksack steht nach wie vor fast fertig gepackt im Schlafzimmer, und ich hoffe, dass ich Ende nächster Woche nach Porto fliegen kann.



Inzwischen habe ich meine Packliste nochmals optimiert, mich intensiv der spanischen Sprache gewidmet und kann nun schon problemlos spanischen Filmen im Internet folgen.

Ein bisschen Grammatik muss sein

Was das Storno betrifft, so konnte ich meinen Flug nicht umbuchen, bekam aber zum Glück die Steuern rückerstattet. Dass meine Versicherung den Rest abdeckt, glaube ich eher nicht, aber da es sich um einen Billigflieger handelte, kann ich das verschmerzen. Das Hostel in Porto hingegen ließ sich problemlos und gebührenfrei stornieren.

Da ich viel zu Hause war und entsprechend Zeit hatte, gelang es mir außerdem, meinen VAUDE Bavella 40 endlich an den Mann - oder besser gesagt - an die Frau zu bringen, wodurch ein weiterer Teil der Kosten abgedeckt werden konnte.

Ja, und letztendlich konnte ich auch wieder eines meiner Camino-Fotos über Gettys verkaufen, was mich natürlich jedes Mal besonders freut.

Soweit also der Stand der Dinge ...

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 8. April 2017

Porto calling: Mein neuer Begleiter



Das ist er, mein neuer Rucksack, der mich nach Porto und weiter begleiten wird. Wie bereits öfters erwähnt, war ich mit meinem Vaude Bavella 40 ja nie so richtig glücklich und habe mich daher nach längerem Durchprobieren entschlossen, in den Deuter Futura Pro 40 SL zu investieren.

Er ist ergonomisch speziell für Frauen optimiert und fühlte sich beim ersten Tragen sehr bequem an. Wie er sich letztendlich auf dem Camino bewährt, werde ich ja bald sehen und hier darüber berichten.

Meine Sachen haben darin auf jeden Fall locker Platz - von daher kaum Unterschied zum Vaude Bavella - außerdem habe ich mich entschieden, diesmal noch mehr zu reduzieren: Keine Technik außer meinem Smartphone (Huawei p9 lite - da erübrigt sich jede weitere Kamera), somit bleibe ich mit Sicherheit unter den 10% meines Körpergewichts, selbst mit Wasserflasche.

Was ich mir noch zugelegt habe, ist dieses gute Stück, der Limber Stretch Pro, der Platz für Smartphone, Reise-/Pilgerpass, Geldbörse etc. bietet und außerdem noch besser aussieht, als die Gürteltasche. Erfahrungsbericht folgt von unterwegs ...


Samstag, 8. Oktober 2016

Madrid und Rückflug nach Wien (mit kleinen Hindernissen)

Der spanische Königspalast am frühen Morgen

Als ich gegen 08:00 Uhr morgens das Hostel verließ, um mir vor meinem Rückflug am frühen Nachmittag noch möglichst viel von Madrid anzusehen, war es draußen angenehm kühl und die Straßen waren bis auf einige Einheimische auf dem Weg zur Arbeit noch fast menschenleer.

Palacio Real, der Königspalast

Mein Weg führte mich vorbei am Kloster Las Descalzas Reales zum königlichen Palast, gleich hinter der Oper, der sich inmitten eines schönen Parks im französischen Stil auf einer kleinen  Anhöhe befindet, von wo aus man auch einen herrlichen Ausblick genießt.

Kloster Las Descalzas Reales
Almudena-Kathedrale in Madrid

Direkt daneben liegt die Kathedrale, die - mittlerweile war es Punkt neun Uhr -  gerade ihre Pforten öffnete. Ich ging hinein, um sie zu besichtigen, war aber etwas enttäuscht, denn nachdem ich die Kathedralen von Burgos, León, Santiago und vor allem Lugo gesehen hatte, hatte ich mir von Madrid ähnliches erwartet. Leider reichen weder die Architektur, noch die Gemälde an die der vorhin erwähnten Kathedralen heran, so zündete ich noch schnell ein paar elektrische Kerzchen an und ging bald wieder.

Blick ins Innere der Kathedrale

Ich hatte bisher noch nichts gefrühstückt (dem Rummel am Frühstücksbuffet war ich bewusst ausgewichen) und mein Blick fiel auf ein kleines Lokal, das offensichtlich eher von Einheimischen besucht wurde und wo es Chocolate con Churros gab.Um nicht einmal 3 € ließ ich mir eine große Portion dieses köstlichen Gebäcks mit einer Tasse Schokolade und einem Glas Orangensaft schmecken, bevor ich noch rasch einen Abstecher auf die Plaza Mayor (sie erinnerte mich irgendwie an Bilbao) machte und anschließend über die Calle Mayor und die Plaza del Sol wieder ins Hostel zurück kehrte, um meinen Rucksack von dort abzuholen und mit der Metro zum Flughafen zu fahren.

Die grandiose Plaza Mayor

Mit der Linie 2 ging es zunächst zur Plaza España, von dort mit der Linie 10 zur Station Nuevos Ministerios. Von hier gelangt man mit der Linie 8 direkt zum Airport, in meinem Fall zu Terminal 4.
 
Flughafen Madrid-Barajas

Nachdem es bereits mein 4. Flug nach Spanien - immer mit der selben Pilgerausrüstung - war, erwartete ich diesbezüglich keine besonderen Überraschungen, doch, wie heißt es so schön: Es kommt immer alles anders, als man denkt!

Noch zu gut für den Müll ...!

Bei der Security Kontrolle gab es erstmals ein Problem mit meinen außen am Rucksack befestigten Teleskopwanderstöcken. Was in Wien, Paris, Barcelona und Bilbao kein Problem dargestellt hatte - in Madrid war es das ganz offensichtlich. Der Beamte begründete seine Weigerung, mich mit den Stöcken durch die Security zu lassen, mit den zu abgenützten Spitzenschonern und warf meine nicht gerade billig gewesenen Komperdell-Stöcke einfach in den Mülleimer hinter sich.

Spitzenschoner: In Madrid kommt es darauf an ...

Wieder einmal danke ich dem Himmel (und meiner eigenen Hartnäckigkeit beim Sprachen lernen) dafür, dass ich mich mittlerweile zwar nicht unbedingt grammatikalisch perfekt, aber dennoch einigermaßen fließend auf Spanisch unterhalten konnte, erklärte ihm, wie teuer diese Stöcke gewesen waren, bat ihn, sie wieder aus dem Mülleimer zu nehmen und mir eine andere Möglichkeit vorzuschlagen.
Der langen Rede kurzer Sinn: Der Rucksack samt den daran befestigten Stöcken wurde zum stolzen Preis von 10€ (was allerdings nur einen Bruchteil davon ausmachte, was neue Stöcke gekostet hätten) von einem Flughafenangestellten an einem dazu bestimmten Gerät fachmännisch mit einer giftgrünen Kunststofffolie umhüllt, kam dann beim Schalter von Air Berlin in eine Kunststoffwanne, und ich durfte ihn ohne Zusatzkosten aufgeben, obwohl ich bloß Handgepäck gebucht hatte.


Auch dass es, wenn der Teufel seine Hand im Spiel hat, nicht bei einem Zwischenfall bleibt, ist hinreichend bekannt: So kam der Airbus bereits mit Verspätung aus Wien in Madrid an. Als der Flieger dann endlich abflugbereit auf der Rollbahn stand, erkrankte ganz plötzlich ein Passagier, ein zum Glück an Bord befindlicher Arzt untersuchte ihn, der Pilot musste die Maschine zurück ans Gate steuern, wo der Patient ausgeladen und ins Krankenhaus gebracht wurde, und dann war sehr sehr lange kein Startplatz frei...


So endete mein erster Camino. Ob es auch der letzte bleiben wird, steht noch in den Sternen, doch aus heutiger Sicht könnte ich mir gut vorstellen, das große Abenteuer nochmals zu wiederholen ... Vielleicht von Porto aus ... im kommenden Jahr ... doch das liegt in Gottes Hand.

Sonntag, 11. September 2016

Nächste Woche ...


... geht es wieder los. Insgesamt stehen mir 20 Tage zur Verfügung, wovon ich die letzten drei in Madrid verbringen werde.

Wie bereits erwähnt, versuche ich immer, das Pilgern auf dem Jakobsweg mit ein wenig Kunst und Kultur zu verbinden und wähle meine Flugdestinationen daher auch danach aus. Heuer im Frühjahr war es Bilbao, vor einem Jahr Barcelona und zuvor Pamplona und die französische Grenzstadt Bayonne.



Von Madrid geht es diesmal mit dem Zug nach León und von dort weiter in Richtung Sarría. Da dieser Abschnitt des Caminos gebirgig und demnach mit größeren Anstiegen verbunden ist (Cruz de Ferro), lautet die Devise reduzieren. Das sommerliche Wetter, das weiter anhalten soll, kommt mir dabei entgegen.

Neu sind der schwarze Hut auf dem Foto, den ich auf dem österreichischen Jakobsweg bereits ausgiebig getestet habe, und ein mit Vlies gefütterter Regenponcho, der als Decke verwendet werden kann und meinen Schlafsack ersetzt. Die Tasche aus dem gleichen Material, die als Hülle gedacht ist, lässt sich auch sehr gut zum Shoppen verwenden.



Bezüglich Jacke und fotografischer Ausrüstung bin ich noch am Überlegen... soll ich meine Lumix Panasonic mitnehmen oder nicht, denn an und für sich macht mein neues Smartphone (ein Huawei p9 Lite) mit seiner 13-Megapixel-Kamera ebenso gute Bilder.

Ansonsten ist alles bereits unter Dach und Fach. Bin gespannt, was beim Abwiegen des fertig gepackten Rucksacks herauskommt.

Inzwischen herzliche Pilgergrüße aus Wien und Buen camino!



Mittwoch, 20. Juli 2016

Österreichischer Jakobsweg - Gedanken nach den ersten Kilometern (Teil 2)

Sukkulenten in Wanderschuhen - Begrünung am Bahnhof Wolfsthal
 
Wer wie ich aus Wien kommt und aus persönlichen oder beruflichen Gründen den Österreichischen Jakobsweg in Tagesetappen geht, ist mit der ÖBB-Vorteilscard bestens beraten, denn damit erhält man 50 % auf die Bahntickets - und da fallen ja so einige an - und die Kosten für diese Karte hat man schon recht bald wieder herinnen (insbesondere bei der Vorteilscard Jugend und bei der Vorteilscard Senior).

Unterwegs auf dem Ostösterreichischen Jakobsweg

Eine Jahreskarte der Wiener Linien macht das Ganze noch billiger, denn damit bezahlt man das Bahnticket erst ab der Stadtgrenze, in unserem Fall Schwechat im Osten und Purkersdorf im Westen.

Angehnehm: Pilgern nur mit leichtem Tagesgepäck

In einem Umkreis von, sagen wir einmal 100 km, kommt es demnach weitaus günstiger, mit der Bahn zum jeweiligen Tagesausgangspunkt zu fahren, als unterwegs zu nächtigen, denn Österreich verfügt leider über kein so tolles Pilgerherbergsnetz, wie man es aus Spanien gewohnt ist, und man muss auf kleine Pensionen oder Hotels zurückgreifen.

Bahnhof Regelsbrunn: Die S7 hält auch in den kleinsten Orten

Auch öffentliche Brunnen mit Trinkwasser wird man in vielen Orten vergeblich suchen. Ich habe erst gestern wieder sehnsüchtig an den Camino Francés zurückgedacht, wo es am Ortsanfang (und Ortsende) jedes kleinen Dorfes einen schattigen Rastplatz mit Bänken und einem Trinkwasserbrunnen gibt.

Schöner, lauschiger Rastplatz bei Hainburg - leider ohne Brunnen

Die Supermärkte sind - anders als in großen Städten wie Wien - auf dem Land nicht sehr zahlreich und zumeist über Mittag geschlossen. Eine große Wasserflasche mitzunehmen empfiehlt sich also - vor allem im Sommer.

Donauauen bei Hainburg

Der ostösterreichische Jakobsweg führt über weite Strecken durch den wunderschönen Nationalpark Donauauen. Weniger schön sind die unzählichen Stechmücken/Gelsen, die - vom feucht-warmen Klima begünstigt - zu Dutzenden über einen herfallen. Trotz langer Hose konnte ich mich ihrer gestern kaum noch erwehren. Ein Rasten auf einer der entlang des Wegs aufgestellten Bänke wurde dadurch zur Unmöglichkeit und beim nächsten Mal werde ich entsprechend Vorsorge treffen. Ob es wohl hilft...?
Hier noch etwas zum Nachlesen: http://www.donauauen.at/dateien/5950_Grundlagenwissen_ueber_Stechmuecken.pdf

Schatten ist hier Mangelware

Ganz wichtig ist auch Sonnenschutz, am besten in Form eines breitkrempigen Hutes (mit Kinnband), denn Schatten ist hier im Osten zumeist Mangelware.






Freitag, 6. Mai 2016

Ausrüstung: Zwischenbericht nach 450 km

Nach etwa 450 km auf dem Camino scheint es mir wieder Zeit dafür, meine Ausrüstung auf ihre Tauglichkeit zu checken und einen kleinen Zwischenbericht abzugeben:

Was hat sich bewährt?

Schuhe
Habe ich bereits erwähnt, dass ich auch nach 450 km noch keine einzige Blase auf den Füßen habe?
Ich bin mit allen 3 Paar Schuhen, die ich dabei hatte, vollauf zufrieden.




Bei den LOWA Goretex Mid Renegade wird das wohl kaum jemanden überraschen, aber auch die Laufschuhe Ekiden One Plus Neutral von Kalenji von Decathlon sind in meinen Augen Spitze!



Mit superleichten 190 g sind sie ideal zum Mitnehmen im Rucksack und jedes Mal, wenn ich - z.B. zum Sightseeing - von den doch recht schweren Wanderschuhen in die leichten Ekiden One wechselte, kam ich mir vor, als trüge ich Hausschuhe. Ich habe damit stundenlange Stadtbesichtigungen unternommen und bin auch eine halbe Etappe des Camino damit gelaufen.



Auch die No name-Crocs vom Chinesen, die ich als Hausschuhe in den Herbergen und zum Duschen als Schutz vor Fußpilz verwende, haben sich absolut bewährt und sehen nach einem Waschgang bei 40° immer wieder wie neu aus.

Kleidung



Meine alte Trekkinghose von NKD besitze ich nun schon das siebte Jahr und habe sie häufig gewaschen. Trotzdem sieht sie noch aus wie neu und ich werde sie auch weiter tragen. Das einzige Problem: Mittlerweile schlottert sie mir am Leib und ich kann sie nur mehr mit Gürtel anziehen.

Ich hatte ja schon nach den ersten 100 km eine Kleidergröße abgenommen und mir bei Decathlon in Pamplona eine zweite Hose im gleichen Stil, nur aus etwas leichterem Material, gekauft. Die Forclaz-Wanderhose von Quechua ist federleicht, trocknet daher sehr schnell, und bügelfrei und ich habe sie bevorzugt "in der Freizeit", d.h. zum Einkaufen und Sightseeing angezogen. Außerdem ist sie ein echtes Schnäppchen und sieht auch in der Stadt chic aus.



Meine Leggings! Was täte ich ohne sie! Bei Temperaturen um den Nullpunkt, Wind und Regen waren sie in den letzten Wochen unentbehrlich - sowohl als Darunter als auch nachts, als Pyjamahose. Da sie zwischendurch auch gewaschen werden müssen, habe ich mir in Burgos um 5 € ein zweites Paar zugelegt.

Die Funktionssocken von Tchibo haben nun auch schon einige Kilometer und Wäschen hinter sich und sind meiner Erfahrung nach völlig OK (wie gesagt: auch nach 450 km hatte ich noch nie eine Blase!).


Shirts: Das Langarmshirt Techfresh von Quechua war mir bei den eisigen Temperaturen ein ideales Darunter, die anderen Shirts ... naja. Das Funktions-Shirt von Tchibo (ich hatte es eher kleiner gekauft) wuchs von einer Wäsche zur nächsten sowohl in die Länge als auch in die Breite, das von Lidl war mir für die Jahreszeit einfach zu dünn. Wie froh war ich da, dass ich ein Schlankstütz-Top von HSE24 zum Darunterziehen mit hatte! Von meinen Sport-BHs fühlte ich mich in dem von New Yorker am besten aufgehoben - aber das ist Geschmackssache ...

Jacken: Meine türkisfarbene Kaputzenjacke von Takko begleitet mich schon treu seit einiger Zeit und ich werde mich auch nicht von ihr trennen, obwohl man ihr das häufige Waschen schon ansieht. Aber was will man bei einem Teil um 10 €? ;-)
Definitiv ausgetauscht wird die Funktionsjacke von NKD. Das auszippbare Stepp-Gilet ist zwar wirklich praktisch, die Jacke bietet bei Regen allerdings keinen ausreichenden Schutz und ist bei Wind und Kälte einfach zu dünn.

Stöcke

Ja, was täte ich ohne meine Trekking-Stöcke Titanal Powerlock "Gerlinde" von Komperdell? Beim Laufen auf dem - durch die extrem starken Regenfälle bedingt - rutschigen Untergrund, bei steilen An- und Abstiegen sind sie ein perfekter Begleiter, lassen sich zusammengelegt problemlos am Rucksack befestigen und stellten auf keinem der Flughäfen, von denen ich bisher abgeflogen oder angekommen bin (Wien, Paris, Barcelona, Bilbao, Düsseldorf) ein Problem dar (wichtig ist nur, dass sie über einen Spitzenschoner verfügen).

Rucksack


So richtig anfreunden werde ich mich mit dem Vaude Bavella 40 wohl nie, wobei zu erwähnen ist, dass ich ihn nicht - wie immer wieder empfohlen wird - nach gewissenhafter Anprobe speziell für mich gekauft, sondern (neu) auf einer Tauschplattform erstanden habe. Er wird also früher oder später einem für mich passenderem und auch leichterem Modell weichen.

Schlafsack


Der Kingcamp Trail 800 erfüllt nach wie vor brav seine Pflicht, wurde inzwischen mehrmals gewaschen und ist völlig ausreichend, da es in praktisch allen Herbergen zusätzliche Decken gibt.

Sonstiges



Die leichte, geräumige Bauchtasche "Advent" von élémenterre sieht nach mehreren Wäschen immer noch wie neu aus und hat sich vielfach bewährt.


Meinen "Waschsalon" von Jack Wolfskin möchte ich ebenfalls nicht missen, ebenso wenig wie meinen kleinen aufblasbaren Polster, den Alu-Trinkbecher, den Karabiner mit integriertem Taschenmesser (nur 4cm, daher auch im Flieger erlaubt) und das Mikrofaser-Handtuch von Quechua.


Auch praktisch und bewährt: Der ganz klein zusammenfaltbare City-Rucksack von Newfeel/Decathlon, das Packsystem von Tchibo in verschiedenen Farben, der Reiseführer von Michelin, die Goretex-Schirmkappe und der 3er-Euro-Zwischenstecker.



Was hatte ich kaum in Verwendung:

Die Powerbank mit integrierter Taschenlampe habe ich diesmal kaum benötigt. In fast allen Herbergen gibt es mittlerweile Nachtlichter, sodass man zum nächtlichen Gang aufs WC keine Taschenlampe mehr benötigt. Auch die Powerbank musste ich kein einziges Mal einsetzen, da ich - Michelin-Reiseführer sei Dank! - bis auf 1 oder 2 Mal kein GPS mehr benötigte.

Was wünsche ich mir?

- Eine stabile und leichte wasserundurchlässige Kunststoffhülle (womöglich mit Zipper) für Pilgerpass und Dokumente
- Einen Regenschutz, der auch die Beine bedeckt und nicht allzu schwer ist
- Dass man endlich nur mehr EIN universell einsetzbares Ladegerät benötigt, die "Technik" (siehe roter Plasticksack etwas weiter oben) nimmt mir immer noch viel zu viel Platz und Gewicht ein.

Dienstag, 3. Mai 2016

Kreuzweg, Decathlon, Gewissensbisse und Abflug


Antiguo cementerio, Calzadas de Mallona

Während ich im Flieger zurück über Düsseldorf nach Wien sitze, lasse ich den heutigen Vormittag nochmals Revue passieren.
Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, zwei Nächte in Bilbao zu bleiben, aber selbst das war für diese tolle Stadt zu wenig. Ich versuchte daher, das Beste daraus zu machen, heute habe ich noch folgendes unternommen:
07:00 Aufwachen, 08:00 Frühstück, Rucksack und Wanderschuhe kamen im Hostel in ein Schließfach, denn um 10:30 wäre bereits Check-Out gewesen, und kurz vor neun war ich bereits in der Stadt. 

Frühstück im Good Hostel Bilbao


Diesmal stieg ich bei der Metro-Station "Casco Viejo", also direkt in der historischen Altstadt, aus und das erste, worauf mein Blick auf der Straße fiel, war - man wird es kaum glauben - ein in den Boden eingelassenes Symbol der Jakobsmuschel!

Camino del Norte“ von Bilbao nach Santiago

Ich sah mich nach weiteren Hinweisen um und entdeckte eine Treppe, die von dem Platz, auf dem ich mich gerade befand, ziemlich  steil nach oben führte. Es war, wie an den in bestimmten Anzahl aufgestellten steinernen Kreuzen leicht erkennbar, ein Kreuzweg. 

Calzadas de Mallona, Plaza Unamuno

Offensichtlich war mir also bestimmt, auch noch diese vielen Stufen hinter mich zu bringen. Es war Gott sei Dank noch früh morgens und daher nicht allzu heiß, doch ins Schwitzen kam ich trotzdem.
Als ich den steilen Anstieg endlich hinter mich gebracht hatte (links und rechts der Treppe befanden sich übrigens Wohnhäuser und ich fragte mich, was deren Bewohner wohl tagtäglich machten), wurde ich mit einer wunderbaren Aussicht auf die Stadt Bilbao belohnt und der anschließende Weg nach unten war um einiges weniger anstrengend.

Parque Etxebarria

So kam ich also wieder unten in der Altstadt an. Ich hatte noch viel Zeit und schlenderte ein wenig durch die engen Gassen. Es war nun gegen 10:00 und die ersten Geschäfte öffneten ihre Pforten, doch shoppen war mir heute aufgrund der strengen Gepäcksbestimmungen der Fluglinie - mit einer einzigen Ausnahnme - leider untersagt.
Da ich wegen der extremen Kälte in Burgos einen zusätzlichen Pulllover und Leggings hatte kaufen müssen, hatte ich sowieso schon "Bauchweh" wegen des Gewichts meines Rucksacks und überlegte, was von meinen Sachen ich wohl ohne allzu schlechtes Gewissen zurücklassen könnte, falls dies erforderlich sein würde.

Casco Viejo - die Altstadt von Bilbao

Nach einer kurzen Pause in einem der Cafés in der Posta Kalea überquerte ich wieder den Fluss, denn mein letzter Fixtermin führte mich - so wie immer - zu Decathlon (in Bilbao ausnahmsweise nicht, so wie in den meisten Städten, am Stadtrand gelegen, sondern direkt bei der Metro-Station Abando).

Eine neue, etwas schickere Outdoor-Jacke war angesagt und ich bekam sie auch: Eine schöne schwarze Softshelljacke, innen türkisfarben, sehr weich und angenehm zu tragen und trotzdem weitaus eleganter, als die Funktionsjacke, die mich die letzten drei Male auf dem Camino begleitet hatte, man könnte sagen, beinahe schon City-tauglich. Natürlich zog ich sie sofort an.

Jetzt wurde es Zeit, wieder ins Hostel zurück zu fahren und meine Sachen zu holen. Dort angekommen reduzierte ich den Inhalt meiner Toilett-Tasche, entsorgte alles an Ausdrucken, das ich unterwegs dabei gehabt hätte, trank einen weiteren Kaffee und konnte jetzt nur mehr hoffen und beten, dass am Flughafen keiner mein Gepäck so genau kontrollieren würde.

Flughafen von Bilbao

Und ich hatte Glück: Es war so! Die am Rucksack befestigen Trekkingstöcke, der Karabiner mit dem integrierten Taschenmesser, der Rucksack, der locker 10 statt der erlaubten 8 kg wog ... alles kein Problem, es interessierte auch keinen.