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Montag, 17. Oktober 2016

Albergue Gabino, El Ganso - Erfahrungsbericht

Albergue Gabino, El Ganso
El Ganso liegt auf der Strecke zum Cruz de Ferro, zwischen Santa Catalina de Somoza und Rabanal, ein kleines Dorf, in dem die Pilger eher nur in der Cowboy Bar kurz Rast machen, als dort über Nacht zu bleiben. Ich hatte allerdings nach meinen Erfahrungen in Astorga beschlossen, "versetzte" Etappen zu laufen, um den großen Pilgermassen zu entgehen und daher ging ich nur eine kürzere Strecke und verbrachte den Rest des Tages hier.

Küche und Speisesaal
Durch die gemütliche Küche gelangt man in einen kleinen von Mauern geschützte Garten mit Tischen und Stühlen. Hier befindet sich auch das Waschhaus. Dahinter liegen die eigentliche Herberge, die Privatzimmer und das Wohnhaus der Besitzer.

Die private Albergue & Hostel Gabino ist eines der schönsten und gemütlichsten Häuser, in denen ich auf meinem Camino genächtigt habe, und hier passt einfach alles, von der Beleuchtung über die Farben der Einrichtung bis zu dem dezenten Duft von Räucherstäbchen.

Ich durfte auf dem Bett beim Fenster schlafen
Doppelbett unter der Stiege

Die Herberge ist von März bis November geöffnet, verfügt über eine Zentralheizung, schöne saubere und gepflegte Bäder und Sanitäranlagen, frische bunte Bettwäsche anstatt der ewigen weißen Einweg-Laken, Teppiche, WLAN und eine moderne, gut ausgestattete Küche.

Gemütlich und gepflegt: Eingangsbereich

Im Preis von 8 € waren auch Kaffee, Tee, Kakao, Milch und Kekse während der gesamten Dauer des Aufenthaltes zur freien Entnahme inbegriffen. Ein kleines Lebensmittelgeschäft befindet sich gleich nebenan (hier gibt es auch eine zweite Herberge), auch Fahrradabstellplätze sind vorhanden.



Samstag, 24. September 2016

Astorga - El Ganso: Urlaub zwischendurch



Nach den Aufregungen des gestrigen Nachmittags verlief die Nacht im komfortablen Priesterzimmer gut und ich konnte mir sogar auf dem Tablet meine spanischen Serien ansehen.
Ich wachte erst gegen halb sieben auf und verließ kurz danach die Albergue municipal.
In der Nacht hatte ich mir noch überlegt, wie ich die lästigen Brasilianer am besten loswerden könnte. Die Antwort lag auf der Hand: Heute nur eine kürzere und danach versetzte Etappen...
Draußen war es noch stockfinster, doch ich ging einfach den anderen hinterher und gelangte bald aus der Stadt hinaus.

Stempelstelle - Ermita Ecce Homo

Kurz danach, in Valdeviejas gelangte ich zu einer kleinen Kapelle Ermita Ecce Homo mit Brunnen und Stempelstelle, dann ging es durch Felder und Wiesen langsam bergauf und nach etwa einer Stunde legte ich in Murias de Rechivaldo eine kleine Frühstückspause ein.

 

Frisch gestärkt mit Café con leche, frischgepresstem Orangensaft und einer Banane wanderte ich weiter durch die von Kilometer zu Kilometer schöner werdende Landschaft und erreichte nach etwa einer weiteren Stunde das wunderschöne Dorf Santa Catalina di Somoza. 
 

Hier wäre ich gerne geblieben, doch es war noch zu früh und so marschierte ich weiter nach El Ganso, meinem heutigen Etappenziel, mindestens genauso schön und - abgesehen von der Cowboybar - genauso romantisch.

Die berühmte "Cowboy-Bar" in El Ganso

Da es noch früh war, bekam ich sogar in der wunderschönen Albergue Gabino auf Anhieb mein Wunschbett. Dass der Besitzer dieser Pension Holistiker ist, merkt man hier an jedem Detail: Gemütliche Zimmer, bunte Bettwäsche, leise und angenehme Musik, der Duft von Räucherstäbchen und ein schöner, gepflegter Innenhof mit Sitzgelegenheiten und einem Waschhaus.
 
Albergue Gabino, El Ganso

Für das Bett inklusive Frühstück sowie Kaffee und Tee zur freien Entnahme bezahlte ich lächerliche 8€ und ging anschließend in das kleine Geschäft ein paar Meter weiter, um mich für das Abendessen und den nächsten Tag mit Lebensmitteln einzudecken.


Da es sich um eine sehr kleine, familiäre Herberge (sie erinnerte mich ein wenig an die Casa rural De sol a Sol in Hontanas) handelt, war sie sehr bald voll und viele nachfolgende Pilger ohne Reservierung wurden weiter geschickt.

Ich finde diese Entwicklung sehr schade, denn ohne Reservierung wird es hier immer schwieriger, was - wie ich finde - dem eigentlichen Geist des Pilgerns entgegensteht. Massentourismus mit geplanten Etappen, Buspilgern bzw. Pilgern mit Tagesrucksack und vorausgeschicktem Gepäck bei den Einen verstärkt die Sorge, am Ende des Tages kein Bett zu bekommen bei den Anderen und daher weichen bereits viele auf andere Routen wie den Camino del Norte oder den Portugues aus.

Der Ärger auf die Tourist Pilgrims, auf Spanisch werden sie "Tourigrinos" genannt ist - vor allem auf den letzten 200 km - groß. Auf den letzten 100 km waren 2/3 aller Pilger*innen, denen ich begegnete Tourigrinos, die meisten mit Daypacks, die an die Turnbeutel, die wir seinerzeit in der Schule hatten, erinnerten.

"Tourist Pilgrims, please leave the Albergues for Pilgrims"

El Ganso - El Acebo: 24 km über Stock und Stein

Rabanal bei Sonnenaufgang

Und wieder kommt alles anders als geplant, es wurde ein sehr anstrengender, aber auch wunderschöner Tag, bergauf und dann bergab durch die Montes de León.

Ich hatte weder vorgehabt, schon um 06:30 los zu pilgern, noch bis El Acebo zu laufen, doch manches lässt sich nicht so einfach planen und schon gar nicht beeinflussen, und letztendlich hatte dann doch alles seine Richtigkeit.

Unterwegs nach Foncebadón

Nach dem gestrigen Abendessen - ich lernte zwei nette Polinnen kennen, die ihr einfaches Pilgermahl mit mir teilten - hatten es alle ziemlich eilig, ins Bett zu kommen, denn wir alle wussten, dass die folgende Etappe uns so einiges abverlangen würde.

Ab 05:00 Uhr begannen die ersten zusammen zu packen - an Weiter schlafen war nicht mehr zu denken - und so fügte ich mich in mein Schicksal, packte ebenfalls meine Siebensachen zusammen, trank noch schnell eine Tasse Kaffee und ging hinaus in die finstere Nacht.
Es war 06:30, die Sonne war noch nicht aufgegangen und ich hatte trotz Stirnlampe ein etwas ungutes Gefühl. Zum Glück holte ich bald einen anderen Pilger ein und beim Eintreffen in Rabanal gegen 08:00 Uhr ging im Osten langsam die Sonne auf.

Foncebadón (auf 1440 m und dementsprechend kalt)

Hier traf ich auch auf zahlreiche Pilger mit Tagesrucksäcken, die die Nacht in einer der Pensionen verbracht hatten und sich nun ohne schweres Gepäck auf den Weg zum Cruz de Ferro machten.
Der Weg führte von nun an ziemlich steil bergauf und ich war froh, als ich nach weiteren 1,5 Stunden die ersten Häuser von Foncebadón entdeckte. Hier machte ich auch eine erste Kaffeepause.

Kaffeepause in Foncebadón

Es war noch früh am Vormittag und ich fühlte mich zwar etwas müde, aber nicht erschöpft, sodass ich beschloss, zum Cruz de Ferro weiter zu wandern und mir danach - in Manjarin - eine Unterkunft zu suchen.

Die herrliche Landschaft in den Montes de León

Nach einem kürzeren Anstieg erreichte ich das Cruz de Ferro - auf einen Stein hatte ich leider zu Hause beim Packen vergessen - machte die üblichen Erinnerunfsfotos und war überglücklich darüber, dass ich diesen anspruchsvollen  Abschnitt problemlos geschafft hatte.

Geschafft! Cruz de Ferro (1504 m)

Nun ging es ein Stückchen bergab nach Manjarin. Ich hatte irgendwo von zwei Herbergen in diesem kleinen Bergdorf gelesen, doch alles, was ich sah, war eine von Rockern geführte, sehr urige Bar mit Fremdenzimmern und WC auf der anderen Straßenseite. Darauf hatte ich nun doch keine Lust, bezahlen musste ich dafür mit weiteren 7 km - zunächst weiter bergauf auf den Collado de las Antenas, wo ich mich wirklich nur mehr mit letzter Kraft hinaufkämpfte.

Albergue refugio de peregrinos Los Templarios, Manjarín

Ich hatte meinen gesamten Proviant bereits verzehrt und die Wasserflasche war auch schon lange leer, doch Gott sei Dank war meine Rettung gleich in der Nähe: Ein Campingwagen mit kühlen Getränken, Snacks und ein paar schattigen Tischen unter Sonnenschirmen.

Rettung in höchster Not ;-)

Ohne diese Stärkung hätte ich höchstwahrscheinlich die nun folgenden weiteren 6 km bis Acebo nicht unbeschadet geschafft, denn der steinige Weg führte in der prallen Mittagssonne steil bergab und wollte absolut kein Ende nehmen...

Albergue parroquial Santiago Apóstol, El Acebo

Es war gegen 14:00 Uhr, als ich erschöpft und mit schmerzenden Füßen endlich in Acebo ankam. Bis zum Einlass in die Herberge musste ich allerdings noch eine weitere Stunde warten, war jedoch froh und erleichtert, dass ich trotz der Pilgermassen hier überhaupt noch ein Bett bekam! Nicht auszudenken, was ich gemacht hätte, wenn alles voll belegt gewesen wäre und sie mich von hier weitergeschickt hätten, wie es am Tag zuvor un diese Zeit zahlreichen Pilgern in El Ganso ergangen war!

Schlafsaal in der Albergue parroquial

Die kirchliche Albergue parroquial war zwar sehr spartanisch, aber ich hatte ein Bett für die Nacht und das war die Hauptsache und Acebo belohnte mich außerdem mit einer herrlichen Aussicht und vielen wunderschönen Fotomotiven.

Aussichtsplattform in Acebo bei Sonnenuntergang