Samstag, 19. September 2015

Tag 3: Cirauqui - Estella/Lizarra: "No se ve Estella hasta llegar a ella."

Römische Brücke bei Lorca

 Gut ausgeschlafen ging es heute Früh von Cirauqui, Lorca und Villatuerta nach Estella.

Pilger-Raststätte
Estella - la bella, die Schöne, trägt diesen Namen zu Recht. Die heutigen 15 km waren nicht allzu anstrengend gewesen und so hatte ich, nachdem ich mir in der öffentlichen Herberge ein Bett gesucht hatte, noch genug Energie für einen kleinen Stadtrundgang.
Die Herberge ist mit 6 €/Bett ein echtes "Schnäppchen"! In der großen Küche kann man sich auch selbst Speisen zubereiten. Falls es jemanden interessiert: Wie überall hier in dieser Region schließen die Supermärkte um 14 Uhr und öffnen erst wieder abends um 18 Uhr.

Albergue municipal de peregrinos de Estella
Es war ziemlich kühl und windig. Am Ufer kam mir eine litauische Pilgergruppe in Tracht und mit Kreuzen und Heiligenstatuen entgegen.

Die Altstadt von Estella an den Ufern des Rio Ega

Das Wappen von Estella, auf Deutsch "der Stern"

Palast der Könige von Navarra

Puerta de Castilla

Durch dieses Tor geht es auch schon wieder hinaus aus Estella in Richtung Los Arcos. Der Weg ist - ähnlich wie in Pamplona - durch in den Boden eingelassene Jakobsmuscheln gekennzeichnet.



Tag 2: Puente de la Reina - Mañeru - Cirauqui


Ich traf gegen 10:30 mit dem Bus aus Pamplona in Puente de la Reina ein, wo ich im April aufgehört hatte. Von hier aus würde es nun 10 Tage lang weitergehen.
Als erstes besuchte ich die Kathedrale, schickte ein Gebet um Gottes Segen für meine 2. Camino-Etappe an den Himmel und bekam einen Stempel in meinen Pilgerpass ...


Iglesia de Santiago, Puente de la Reina

Anschließend ging es über die romanische Brücke nach Mañeru und von dort nach Cirauqui, wo ich mitten in ein baskisches Volksfest hineingelangte und der Tag fröhlich zu Ende ging ... Dennoch muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich diesmal aufgrund des Verschwindens und - wie sich ja erst vor wenigen Tagen herausstellte - die Ermordung der amerikanischen Pilgerin Denise Thiem weitaus weniger unbelastet unterwegs bin. Aus Gesprächen mit anderen Pilgerinnen weiß ich, dass es nicht nur mir so geht, und besonders einsame Fincas mit vergitterten Fenstern und verschlossenen Türen machen mir jetzt Angst ...

Romanische Brücke über den Arga Fluss

Anstieg nach Cirauquí

Iglesia de San Román, Cirauqui


Ich verbrachte die Nacht in der Albergue Maralotx, gleich gegenüber der Kirche, schlief trotz Musik, Böllerkrachen und vielen anderen PilgerInnen in meinem Schlafsaal tief und fest und erwachte erst, als sich bereits die letzten von ihnen auf den Weg machten ...

Albergue Maralotz in Cirauquí

Tag 4: Estella - Los Arcos: Still alive!


Meine erste komplette Etappe an einem Tag! Und das, obwohl ich eigentlich nur bis Villamayor de Monjardin laufen wollte. Aber es war erst Mittag, das Wetter war so schön und so marschierte ich weiter ...

Monastero de Irache

Aber zurück zum Anfang: Es war erst kurz vor sieben, als ich die Albergue Municipal in Estella verließ und mich auf den Weg in Richtung Irache machte. Kaum war ich aus der Stadt heraus (der Weg geht ziemlich steil bergauf und ist nicht immer gut beschildert), erreichte ich zusammen mit einigen anderen Pilgern den "Weinbrunnen" der Botegas de Irache, wo aus dem linken Hahn Wasser, aus dem rechten Rotwein kommt.

Fuente del vino (Botegas de Irache)

Es war etwa 8 Uhr Früh und ich hatte keine große Lust auf Wein, aber ich probierte trotzdem einen kleinen Schluck - und JA! er schmeckte gut ...

Bar Azketako
Die nächste Ortschaft auf der Landkarte war Azqueta, es war jetzt bereits später Vormittag und ich hatte kaum etwas zum Frühstück gegessen. Die Bar Azketako kam mir also gerade recht und ich genehmigte mir ein Stückchen Tortilla und ein kleines Bier...

Anstieg nach Villamayor

Villamayor de Monjardín

So gestärkt ging es hinter einer Schulklasse hinauf nach Villamayor de Monjardín, einem wunderschönen historischen Ort, der seinen Namen von der noch höher gelegenen Burgruine Monjardín bezieht. Es war jetzt gegen Mittag und ich wollte weder aufhören noch schon wieder eine Pause einlegen, so ging ich also weiter ...

stundenlang weit und breit nichts als Landschaft ;-)

Der einzige Lichtblick: "Flecha amarilla", ca. 5 km vor Los Arcos

Es war inzwischen sehr heiß, die Sonne brannte regelrecht vom Himmel und ich war nicht darauf gefasst, dass Schatten auf der nun folgenden Strecke eine solche Mangelware war. Nach 4 Stunden, in denen ich meine Entscheidung hundertfach bereute (weit und breit nur Landstraße und kein Ende abzusehen...) ist meine Hochachtung vor PilgerInnen, die durch Wochen hindurch jeden Tag eine komplette Etappe laufen, fast ins Unermessliche gestiegen! Ich musste mich im wahrsten Sinne des Wortes durchkämpfen und war mehrmals nahe daran aufzugeben und ein Taxi zu rufen. Es grenzt für mich beinahe an ein Wunder, dass ich es dennoch geschafft habe und wohlbehalten in Los Arcos ankam ...

Los Arcos, Iglesia de Santa María