Montag, 22. Mai 2017

In Santiago angekommen

Blick von As Cancelas auf die Kathedrale

Ich bin nun innerhalb eines Jahres bereits zum zweiten Mal in Santiago angekommen. Da mir vieles schon bekannt war, hatte ich nun erst die Ruhe und Muße, mir die Stadt genauer anzusehen.


Blick von der Pension Linares auf die "Ringstraße"


Wie bereits beim letzten Mal, stieg ich auch diesmal wieder in der Albergue-Pension Linares, nur wenige Minuten von der Kathedrale entfernt, ab. Die günstige Lage, nicht nur zum Zentrum, sondern auch am "Innenring", der dieses umgibt, ermöglicht es, sowohl den Busbahnhof, als auch das Einkaufszentrum As Cancelas in etwa 15 Minuten zu Fuß zu erreichen (Busse verkehren hier natürlich auch), sowie die schönen Parks und Gärten entlang dieser "Ringstraße" ausgiebig zu erkunden.

Kapelle im Pilgerbüro


Im Pilgerbüro, in der Casa do Deán in der Rua do Vilar, gleich unterhalb des "Parador", die Compostela abzuholen, war diesmal, da ich ja bereits genau wusste, wo sich dieses befindet, trotz der Menschenschlange vor Ort, keine große Angelegenheit. Am Tag nach meiner Ankunft, der auf einen Sonntag fiel, besuchte ich um 10 Uhr Vormittag das Hochamt, welches sogar mit dem Schwenken des Botafumeiro endete.

Beichtväter beim Hochziehen des Botafumeiro


Am nächsten Tag besorgte ich mir bei der Estación de Autobuses mein Ticket nach Porto (der Bus verkehrt mehrmals am Tag, Preis ca. 35 €) und ein paar neue Sachen zum Anziehen im Centro Comercial (Öffungszeiten sind 10:00 - 22:00 Uhr). Danach schlenderte ich durch den anliegenden Park, wo ich die Ruhe abseits vom Pilgerrummel genoss und ein paar Fotos von der - leider nach wie vor wegen Restaurierungsarbeiten blau "verpackten" - Kathedrale machen konnte.
 

Chocolate con churros im Café Iacobus


Logisch, dass ich anschließend wieder einmal im Café Iacobus in der Rua de Senra landete, wo man in einem tollen Ambiente die beste Chocolate con churros bekommt, die ich kenne.

Chocolate con churros


Von hier aus ist es übrigens, immer die Rúa do Horréo entlang, auch gar nicht mehr weit bis zum Bahnhof (Estación de trenes).

Treppe zum Seminario Menor

Ein weiterer sehr schöner Park, der Parque de Belvís, befindet sich unterhalb der Albergue Seminario Menor, einer beliebten Pilgerherberge, die allerdings nur über ziemlich steile Treppen zu erreichen ist.

Parque de Belvís

Was lässt sich sonst über Santiago erzählen? 

Es handelt sich im Grunde um eine Großstadt mit ca. 100.000 Einwohnern und einem breiten Industriegürtel rundum, die Hauptstadt der Autonomen Region Galicien (der Regierungssitz befindet sich gleich neben dem Busbahnhof), die ihre Berühmtheit ausschließlich dem Hl. Jakobus verdankt.

Dass dieser (und natürlich die Pilgerströme zu seinem Grab) der Stadt viel Geld einbrachten, erkennt man an den zahlreichen reich geschmückten Kirchen, Klöstern und anderen historischen Bauwerken, die teilweise bis ins Mittelalter zurückrühren.

Im Zentrum reiht sich ein Souvenirladen an den anderen, dazwischen Restaurants und Hotels.
Klar, dass man die Stadt einmal gesehen haben sollte, aber beim dritten Mal, sollte es einmal so weit kommen, werde ich hier höchstwahrscheinlich nicht länger als maximal einen Tag verweilen. Der Rummel rund um die Kathedrale und in den Gassen der Altstadt ist mir einfach zu viel.

Tipp: Mehrmals täglich verkehren von der Busstation aus Linienbusse nach Fisterra und Muxia, es besteht aber auch die Möglichkeit, gleich weiter zu laufen und auf dem Camino de Finisterre in ungefähr 3 Tagen zu Fuß das "Ende der Welt" zu erreichen.

Samstag, 13. Mai 2017

Camino Portugues - Tag 14: Padrón - Santiago de Compostela

Aufbruch aus Padrón

Dieser Tag ist leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen! Regnete es beim Losgehen in Padrón noch schwach, so wurde der Regen von Kilometer zu Kilometer stärker und aus Regenschauern wurde ein richtiger Landregen.


Sogar den Schafen war es heute zu nass

Die ersten Stunden verlief der Weg einmal bergauf, einmal bergab, zumeist durch Wälder und Wiesen. In der Hoffnung, das Wetter würde sich in der Zwischenzeit bessern, kehrte ich in La Escravitude auf einen Toast mit Tee ein, doch die Hoffnung erwies sich als vergebens.
In Parada de Francos musste ich noch ein Mal pausieren, um meine trotz Regenschutz völlig durchnässten Klamotten zu wechseln. Viele andere Pilger gaben bereits auf und suchten sich hier bereits ein Quartier für die Nacht.

Cemiterio de Adina en Iria Flavia - Padrón
 
Ich wollte mich aber auch noch die letzten paar Kilometer durchkämpfen, und für wenige Augenblicke sah es so aus, als würde der Regen doch nachlassen und die Sonne kurz hervorblinzeln. Das seien nur kurze Momente, sagte mir der Wirt in dem nächsten Lokal, wo ich mich nochmals ein wenig aufwärmte und empfahl mir, von hier ein Taxi zu nehmen.


Da heute Sonntag war, wusste er nicht, wie es mit Bussen aussehen würde. So fuhr ich zusammen mit anderen Pilgern mit einem Taxi bis zum Stadtrand von Santiago und legte die letzte Strecke bis zur Herberge wieder zu Fuß zurück. Es regnete nach wie vor, aber das wollte ich mir nun doch nicht nehmen lassen.

In meinem "alten" Hostel, der Pension Linares, war ich ganz allein, konnte mich heiß duschen, Tee trinken und mich unter der dicken Steppdecke ein wenig ausruhen, während meine Wäsche gewaschen und getrocknet würde.

Später ging ich dann noch ins Pilgerbüro, wo trotz - oder vielleicht gerade wegen - des schlechten Wetters Massen von Pilgern in einer langen Schlange um die Compostela angestellt waren. Nach etwa einer Stunde hatte ich meine 2. Compostela in Händen und feierte den Abschluss meines Caminos mit heißer Schokolade und Churros im Café Iacobus.

Chocolate con churros

 Ein Erinnerungsstück musste schließlich auch noch her, und ich erstand meinen mittlerweile zweiten mit Jakobsmuscheln verzierten Silberring.



Als ich ins Hostel zurückkehrte, war ich dort noch immer der einzige Gast, die Heizung lief, und in der Hoffnung auf besseres Wetter in den nächsten Tagen kuschelte ich mich in mein Bett und schlief rasch ein.

Camino Portugues - Tag 13: Caldas - Padrón


 
Ein alles in allem schöner und gelungener Tag bei schönem, aber nicht zu heißem Wetter.



Über die alte Brücke von Caldas (irgendwie haben alle Orte entlang des Caminos alte Steinbrücken) führte der Weg heute leicht bergauf, durch saftige grüne Wiesen und auf weichen, schattigen Waldwegen, zum Teil jedoch auch auf gepflasterten Strecken über O Cruceiro, wo bei mir kurz Erinnerungen an O Cebreiro wach wurden, über eine alte Römerstraße nach Carracedo und Valga mit der wunderschönen Igreja de San Miguel.

Igrexa de San Miguel, Valga

Von dort führte der Weg entlang von Gemüse- und Weingärten, durch kleine Dörfer, die mir fast menschenleer vorkamen, in die Stadt Pontecesures, direkt an der Via Romana XIX, einen schon vor über 2000 Jahren wichtigen Handelsweg, am Ufer des Rio Ulla.

Via Romana XIX

Ich war bereits hungrig und ziemlich müde, doch ein paar Kilometer lagen noch vor mir.
Kurz nach Mittag erreichte ich mein heutiges Tagesziel, die Stadt Padrón und bezog in der Albergue Rossol Quartier, direkt gegenüber der Iglesia de Santiago, wo der Legende nach das Boot mit dem Leichnam des Apostels Jakobus (Santiago) anlegte, als seine Jünger ihn von Haifa nach Galicien brachten, um ihn hier zu begraben.

Iglesia de Santiago, Padrón

Die Kirche war geöffnet, gleich beim Eingang bekam man von einer netten Dame einen Stempel zusammen mit Informationen über die Geschichte des Gotteshauses und der des Apostels Jakobus.
Auch das prächtige Kloster Herbón (hier befindet sich übrigens die Pilgerherberge) wäre sicher sehenswert gewesen, doch dazu war ich schon zu müde.

Monasterio de Herbón
Ich kaufte nur noch kurz ein paar Vorräte für die morgige letzte Etappe vor Santiago ein und zog mich dann in mein (mit Vorhängen zum Zuziehen versehenes Bett zurück).

Erkenntnis des Tages:
Was gäbe es hier nicht noch alles zu sehen! Ich glaube, ich muss wieder kommen!

Pilgerstatue in Padrón